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Medizin

Parkinson durch pränatale Insek­tizid-Exposition

Montag, 10. Juli 2006

Atlanta - Nachdem kürzlich eine viel beachtete Studie zu dem Ergebnis kam, dass die Exposition mit Pestiziden im Erwachsenenalter das Risiko auf einen Morbus Parkinson erhöhen könnte, berichten US-Forscher jetzt im FASEB Journal (2006; doi:10.1096/fj.06-5864fje), wie im Tierexperiment die perinatale Exposition mit dem Insektizid Dieldrin die spätere Anfälligkeit auf einen Morbus Parkinson erhöhte.

Dieldrin wurde bis zu seiner weltweiten Ächtung im Jahr 2001 als Insektizid eingesetzt. Das Verbot verfolgte wegen der Gefahr einer krebsauslösenden Wirkung und weil Dieldrin zu den in der Umwelt besonders schlecht abbaubaren organischen Schadstoffen (POPs = persistent organic pollutants) zählt. Doch Dieldrin steht neben anderen Pestiziden auch im Verdacht, einen Morbus Parkinson auszulösen. Der Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des hohen Alters. Die zugrunde liegende Zerstörung der dopaminergen Zellen in den Basalganglien beginnt jedoch früher. Dass sie bereits pränatal einsetzt, ist unwahrscheinlich und wurde auch nicht in den Experimenten gezeigt, welche Gary Miller und Mitarbeiter von der Emory Universität in Atlanta jetzt vorstellen.

Die Forscher exponierten trächtige Mäuse alle drei Tage mit Dieldrin in unterschiedlichen Konzentrationen oder mit Placebo. Die Exposition wurde auch während der Laktationsphase fortgesetzt. Bei den Jungtieren führte Dieldrin zwar nicht zum Absterben der dopaminergen Neurone. Es kam jedoch zu strukturellen Veränderungen in den Zellen, welche die spätere Vulnerabilität gegenüber dem Neurotoxin MPTP erhöhte. MPTP (1-Methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin) ist ein starkes nigrostiatales Toxin, das innerhalb kurzer Zeit ein Parkinsonsyndrom auslösen kann.

Der toxische Effekt von MPTP war bei männlichen Tieren stärker ausgeprägter als bei weiblichen, was sich nach Ansicht der Autoren auffällig mit der Geschlechterverteilung der Erkrankung beim Menschen deckt. Miller und Mitarbeiter halten es für möglich, dass die „klinisch stumme“ Phase des Morbus Parkinson länger ist als bisher angenommen. Der Rolle einer perinatalen Exposition von Schadstoffen sollte in der Forschung größere Beachtung geschenkt werden als bisher, fordern sie. © rme/aerzteblatt.de

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