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Medizin

Ärzte untersuchen Nutzen von Honig bei Problemwunden

Montag, 31. Juli 2006

Bonn – Honig hilft bei bestimmten Wunden besser als moderne Antibiotika. Diese Erfahrung haben Mediziner der Universität Bonn seit einigen Jahren gesammelt. Selbst chronische Wunden, die mit multiresistenten Bakterien infiziert waren, heilten oft binnen weniger Wochen. Zusammen mit Kollegen aus Düsseldorf, Homburg und Berlin wollen sie ihre Erfahrungswerte nun in einer groß angelegten Studie absichern.

Dass Honig die Wundheilung fördern kann, wussten die alten Ägypter schon vor mehreren tausend Jahren. Auch in den beiden Weltkriegen sorgten Umschläge aus Honig dafür, dass die Verletzungen der Soldaten besser heilten. Die aufkommenden Antibiotika verdrängten das Hausmittel jedoch. Zunehmend sind Ärzte und Patienten in den Kliniken aber mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. „Damit wird medizinischer Honig für die Wundpflege wieder interessant“, erklärt Arne Simon von der Krebsstation der Bonner Universitäts-Kinderklinik.

Seine Patienten zählen bei der Wundheilung zur Hochrisikogruppe: „Normalerweise heilt eine Hautverletzung in einer Woche, bei den Kindern dauert es oft einen Monat oder mehr“, so Simon. Leukämiekranke Kinder haben zudem ein geschwächtes Immunsystem. Gelangt durch eine Wunde ein Krankheitskeim in ihre Blutbahn, kann daher eine tödliche Blutvergiftung die Folge sein. Seit einigen Jahren setzen die Bonner Kinderärzte so genannten Medihoney in der Wundpflege ein. In Deutschland sind sie damit nach eigenen Angaben Vorreiter.

Medihoney trägt das CE-Siegel für Medizinprodukte; seine Qualität wird regelmäßig überprüft. Der Erfolg ist erstaunlich: „Abgestorbenes Gewebe wird schneller abgestoßen, und die Wunde heilt schneller. Außerdem bereitet der Verbandswechsel weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen lassen, ohne die neu gebildeten Hautschichten zu verletzen“, erläutert Kai Sofka, Wundpflegespezialist an der Uni-Kinderklinik. Selbst Wunden, die über Jahre nicht heilen wollten, ließen sich mit Medihoney in den Griff bekommen, so die Erfahrung der Arbeitsgruppe.

Dien antiseptische Wirkung des Honigs beruht auf einem Enzym namens Glucose-Oxidase: Es sorgt dafür, dass aus dem Zucker im Honig permanent in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid entsteht, ein wirksames Antiseptikum. Da es ununterbrochen nachgebildet wird, reichen bereits geringe Konzentrationen aus, um die Wundbakterien zu töten. Medihoney besteht zudem aus zwei verschiedenen Honigsorten: Einer, die vergleichsweise viel Wasserstoffperoxid bildet, und einem so genannten „Leptospermum-Honig“. Leptospermum ist eine Baumgattung, die in Neuseeland und Australien vorkommt. Honig von diesen Bäumen wirkt besonders stark antibakteriell.

Mittlerweise nutzen zwei Dutzend Kliniken in Deutschland Honig in der Wundversorgung. Trotz aller Erfolge gibt es bislang nur wenige belastbare klinische Studien zu seiner Wirksamkeit. Zusammen mit Kollegen aus Düsseldorf, Homburg und Berlin wollen die Bonner Ärzte nun Abhilfe schaffen. Mit Hilfe einer selbst entwickelten Datenbank werden sie in den nächsten Monaten über 100 Krankheitsverläufe dokumentieren und auswerten. In einem weiteren Schritt sind vergleichende Studien mit anderen Behandlungsmethoden geplant. /hil 

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