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Medizin

US-Umweltbehörde - Streit um Risikobewertung von Pestiziden

Montag, 7. August 2006

Washington - Die US-Umweltbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) hat eine zehnjährige Neubewertung von Pestiziden abgeschlossen. Gleichzeitig wurde verkündet, dass Lindan endgültig verboten wird, aber auch die für die Vogelwelt bedenklichen Carbofurane sollen verschwinden. Die Industrie findet die Bewertungen akzeptabel. Verbraucherschützern, aber auch EPA-Mitarbeitern gehen sie nicht weit genug.

Die Bewertung wurde 1996 von einem Gesetz, dem Food Quality Protection Act, eingefordert. Zum Stichtag gelang es der Behörde, die unübersichtliche Vielfalt der Produkte zu ordnen und 1.100 von 1.105 Pestiziden zu bewerten. In diesen Produkten sind 237 unterschiedliche Wirkstoffe enthalten, deren Nutzen für die Landwirtschaft unbestritten ist, über deren Risiken für die Tierwelt, aber auch für die menschliche Gesundheit gestritten wird. Kürzlich wurde der Gebrauch von Pestiziden mit dem Morbus Parkinson in Verbindung gebracht und Verbraucherschützer warnen seit langem vor den möglichen Gesundheitsrisiken. 

Diese bestehen aus Sicht der EPA allerdings nur in den wenigsten Fällen. Immerhin: Ein aus Sicht des Pesticide Action Network längst überfälliges Verbot von Lindan wurde dieser Tage angekündigt. Das Insektizid wird jedoch weiterhin in Shampoos oder Lotionen zur medizinischen Behandlung von Läusen und Krätzmilben verfügbar sein, da diese Produkte unter die Zuständigkeit der Arzneibehörde FDA fallen. Das weitgehende Verbot von Carbofuranen wurde von den Tierschützern begrüßt. Nach Ansicht der American Bird Conservancy wird die Entscheidung Zehntausenden von Wildvögeln das Leben retten.

Auch CropLife America, der Interessensverband der Pestizidhersteller, kann gut mit der Entscheidung gut leben, wurden doch lediglich die bereits 1996 zugelassenen Substanzen bewertet. Inzwischen sind aber 248 neue aktive Substanzen hinzugekommen. Deren Zulassung unterliegt zwar den Auflagen der EPA. Dass die Regulierung durch die EPA Forschung und Entwicklung in diesem Bereich behindert, lässt sich angesichts dieser Zahlen nicht mehr behaupten. Die Industrie hat sich von den früher bevorzugten, aber wegen der neurologischen Risiken umstrittenen Organophosphaten abgewendet. Von den 49 Anträgen zu Organophosphaten wurden 17 freiwillig zurückgezogen und bei den restlichen 32 Organophosphaten sei die Verwendung in Haushalten praktisch eliminiert, heißt es in einer Mitteilung der EPA.

Gleichwohl wünschen sich viele Mitarbeiter der EPA eine strengere Reglementierung. In einem Brief an ihre Vorgesetzten, der der New York Times zugespielt wurde, kritisieren die Wissenschaftler, dass die Leitung der Behörde zu häufig dem politischen Druck der Interessenverbände nachgebe und wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriere. Diese würden auf die Gefährdung der Gesundheit von Feten, Schwangeren, jüngeren Kindern und älteren Menschen durch Aufnahme mit der Nahrung oder eine direkte Exposition hinweisen. Als besonders umstritten gelten die Wirkstoffe Chlorpyrifos, Methylparathion und Diazinon. Die EPA-Leitung brüstet sich dagegen in einer Pressemitteilung, dass Pestizide durch die neue Bewertung in keinem anderen Land der Welt so sicher seien wie in den USA. © rme/aerzteblatt.de

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