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Medizin

Vitamin-E-Mangel in der Schwangerschaft als Asthmarisiko für die Kinder

Montag, 4. September 2006

Aberdeen - Die Ernährung während der Schwangerschaft hat offenbar einen Einfluss auf das spätere Asthmarisiko von Kleinkindern. In einer prospektiven Beobachtungsstudie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2006 doi:10.1164/rccm.200512-1946OC) erkrankten im Alter von 5 Jahren fünfmal weniger Kinder, wenn die werdenden Mütter ausreichend mit Vitamin E versorgt waren.

Parallel zum raschen Anstieg der Asthma-Prävalenz in vielen Industrieländern ist es zu einer Verschlechterung der Ernährung vieler Menschen gekommen. Ernährungswissenschaftler beklagen vor allem einen zu geringen Verzehr von Obst und Gemüse, was zu einer relativen Unterversorgung mit antioxidativen Vitaminen führen kann. Dass Vitamine für die pränatale Entwicklung von Bedeutung sind, dürfte kaum bezweifelt werden. Eine andere Frage ist, ob die Unterversorgung vieler Schwangerer tatsächlich negative Auswirkungen hat oder ob die Bedenken der Ernährungswissenschaftler eher prinzipieller Natur sind.

Eine mögliche negative Folge wäre eine vermehrte Anfälligkeit für atopische Erkrankungen. Dafür gab es in der Vergangenheit eine Reihe von immunologischen Hinweisen. So kann ein Mangel an Vitamin E die Proliferation der für allergische Reaktionen wichtigen Th-Zellen beeinflussen. Ob dies von epidemiologischer Relevanz ist, lässt sich beispielsweise in einer prospektiven Beobachtungsstudie untersuchen. Die Gruppe um Graham Devereux vom Department of Environmental and Occupational Medicine an der Universität Aberdeen in Schottland rekrutierten dafür bis April 1999  2.000 Schwangere. Diesen wurde in der 12. Schwangerschaftswoche Blut zur Erhebung eines Vitaminstatus abgenommen. Außerdem füllten sie einen Fragebogen zur Ernährung aus. In den Folgejahren wurden die Mütter regelmäßig angeschrieben und nach dem Auftreten von Asthmasymptomen bei ihren Kindern befragt.

Im ersten Lebensjahr gab es noch keine negative Assoziation zwischen Vitaminstatus und Asthmaerkrankungen. Doch nach dem Ende des zweiten Lebensjahrs wurde erkennbar, dass die Kinder von Frauen mit relativem Vitamin-E-Mangel häufiger Asthma-ähnliche Symptome entwickeln. Darüber hatten die Autoren bereits im letzten Jahr berichtet (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2005; 171: 121-128). Inzwischen konnten sie die Kinder bis ins Alter von 5 Jahren nachbeobachten. Der Trend zum Asthma bei den pränatal mit Vitamin E unterversorgten Kindern hat sich mit den Jahren noch verstärkt.

Pro Quintel weniger in der Vitamin E-Versorgung der Mütter (nach den Daten der Ernährungsbefragung) kam es zu einem Anstieg von Asthma oder asthma-ähnlichen Symptomen (“wheeze”) um etwa ein Fünftel (Odds Ratio 0,79, 95-Prozent-Konfidenzintervall =0,65–0,95). Ähnliche Ergebnisse gab es bei den Unterdiagnosen Asthma (Odds Ratio 0,84) und “wheeze” (Odds Ratio 0,82) oder einem persistierenden “wheeze” (Odds Ratio 0,77).

Auch zwischen dem Plasmaspiegel von alpha-Tocopherol (Vitamin E) der Schwangeren und der späteren Lungenfunktion der Kindes im Alter von 5 Jahren bestand eine Assoziation. Mit jedem µg/ml alpha-Tocopherol besserte sich die Einsekundenkapazität (FEV1) um 7 ml ( 95-Prozent-Konfidenzintervall 0-14; p=0,04).

Trotz der signifikanten Assoziation, die durch die Dosiswirkungsbeziehung weitere Überzeugungskraft erhält, ist die Studie nicht beweisend. Es ist den Autoren nicht gelungen, alle Kinder nachzubeobachten. Von den 2.000 Schwangeren konnten zum Schluss nur noch 1.253 erfasst werden –  woraus sich viele denkbare Gründe ableiten lassen, welche die Assoziation entkräften würden. Eine logische Konsequenz würde jetzt in der Durchführung einer randomisierten kontrollierten Studie bestehen, in denen Mütter mit niedrigen alpha-Tocopherol-Spiegeln gezielt substituiert würden. Die Erfahrung zeigt, dass solche Studien häufig nicht zu den erhofften Ergebnissen führen.

Deshalb rät auch die American Thoracic Society, Herausgeber des American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, noch nicht zu einer Vitaminbehandlung. Gegen den Ratschlag an Schwangere, sich gesund und vitaminreich zu ernähren, ist aber nichts einzuwenden. Besonders reichhaltig an Vitamin E sind pflanzliche Öle (Sonnenblumen, Raps und Mais), Margarine, Weizenkeime, Nüsse und Sonnenblumenkerne.
© rme/aerzteblatt.de

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