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Ausland

Europäisches Gesundheitsforum: Ärzte wechseln immer häufiger in fachfremde Berufe

Dienstag, 10. Oktober 2006

Bad Hofgastein - Von den jährlich rund 11.000 Medizinstudenten arbeiten mittlerweile nur noch etwa 7.000 bis 8.000 später tatsächlich als Arzt. Auf diese bedenkliche Entwicklung machte Dr. Otmar Kloiber, Generalsekretär des Weltärztebundes, auf dem European Health Forum in Bad Hofgastein aufmerksam. Von denen wiederum, die dennoch in den Arztberuf einsteigen, gehen immer mehr frühzeitig in Rente. 

Hinzu komme, dass junge Ärztinnen und Ärzte heutzutage - anders als frühere Generationen - nicht mehr bereit sind, 70 bis 80 oder mehr Stunden in der Woche zu arbeiten, so Kloiber. „Der Wunsch nach einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeit und Freizeit ist inzwischen weit verbreitet“, sagte auch Pascal Turn von der OECD. 

Ein weiterer Trend, der eine flexible Arbeitszeitgestaltung erforderlich mache, sei die zunehmende Feminisierung des Arztberufs. In Deutschland beispielsweise beträgt der Anteil der Frauen unter den berufstätigen Ärzten bereits über 40 Prozent.

Dem deutschen Arbeitsmarkt gehen darüber hinaus zahlreiche heimische Fachkräfte durch Migration ins Ausland verloren. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind derzeit etwa 12.000 deutsche Ärzte im Ausland tätig. Während jedoch die Vereinigten Staaten von einem Zuzug von Ärzten aus aller Welt profitieren - insbesondere hoch qualifizierte Spezialisten wandern in die USA aus -, rekrutieren die Länder der Europäischen Union (EU) ärztliches Fachpersonal fast ausschließlich aus anderen EU-Staaten. Bevorzugte Zielländer der Migranten sind Großbritannien und die skandinavischen Staaten. 

 „Viele Ärzte nutzen dabei das Angebot, kostengünstig zu reisen und arbeiten nur vorübergehend im europäischen Ausland“, so Professor James Buchan vom Queen Margaret University College in Edinburgh. Als Beispiel nannte er die „Easy-Jet german doctors“, die übers Wochenende nach Großbritannien fliegen, um - angelockt durch attraktive Einkommensmöglichkeiten - im National Health Service auszuhelfen. Das Vereinigte Königreich ist allerdings nicht nur bei deutschen Ärzten beliebt. Nach einer OECD-Statistik stammen 33 Prozent aller in Großbritannien tätigen Ärzte aus dem Ausland. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Anteil der im Ausland geborenen Ärzte 12,6 Prozent, in Österreich 14,6 Prozent und in Frankreich 16,9 Prozent.

Anders jedoch als bei den Pflegekräften ist der befürchtete Braindrain von Ärzten aus den mittel- und osteuropäischen Ländern nach der EU-Erweiterung im Mai 2004 bislang ausgeblieben. „Von den derzeit 110.000 aktiv tätigen polnischen Ärzten sind nur etwa vier Prozent bereit, ins Ausland zu gehen“, zitierte Dr. Maciej Duszcyk vom Institut für Sozialpolitik der Universität Warschau das Ergebnis einer Umfrage. Wie in Deutschland bereitet der polnischen Regierung der Wechsel von Ärzten in andere Berufe daher zurzeit wesentlich mehr Sorgen als eine mögliche Auswanderungswelle.

Auch in Litauen haben bis dato erst drei Prozent der heimischen Ärzte Unterlagen für die Anerkennung ihrer Diplome im Ausland angefordert. Allerdings könnte sich das bald ändern. Immerhin erwägt mehr als die Hälfte der Ärzte, ins Ausland zu gehen, so der ehemalige litauische Gesundheitsminister Zilvinas Padaiga.

Auch nach Ansicht von Jean-Christoph Dumont von der OECD ist nicht auszuschließen, dass der Zustrom von Ärzten aus Zentral- und Osteuropa ins westliche Ausland künftig zunimmt, sollte sich an den unattraktiven Arbeitsbedingungen nichts ändern. © ps/aerzteblatt.de

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