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Medizin

Stammzelltherapie heilt Parkinson – und löst Hirntumoren aus

Dienstag, 24. Oktober 2006

New York - Eine tierexperimentelle Studie in Nature Medicine (2006; doi: 10.1038/nm1495) weist auf mögliche Fallstricke der Stammzelltherapie hin. US-Forschern war es gelungen, die Symptome eines Morbus Parkinson durch Transplantation von modifizierten embryonalen Stammzellen fast vollständig zu beheben. Doch dann zeigten die Zellen Anzeichen einer krebsartigen Vermehrung.   

Die Gruppe um Steven Goldman vom Cornell University Medical College in New York experimentiert mit humanen embryonalen Stammzellen, die sich bekanntlich in alle Zellen des menschlichen Körpers ausdifferenzieren können. Die Kunst besteht nun darin, die Reifung in die richtigen Bahnen zu lenken. Bei der Hirnentwicklung spielen hierbei Gliazellen eine Schlüsselrolle.

Diese bilden keineswegs nur ein passives Bindegewebe im Gehirn, wie früher vermutet wurde. Sie beeinflussen in der embryonalen Entwicklung auch die Differenzierung der benachbarten Neuronen. Um die Entwicklung im Mittelhirn im Labor nachzustellen, extrahierten die Forscher Astrozyten aus dem fetalen Mesenzephalon und brachten sie mit den humanen Stammzellen zusammen. Tatsächlich gelang es dadurch sowie durch den Zusatz eines geeigneten Cocktails aus Wachstumsfaktoren, die humanen Stammzellen zur Produktion von Dopamin zu veranlassen, dessen Mangel in den Basalganglien die Ursache für die Parkinson-Symptomatik ist.

Die auf diese Weise ausdifferenzierten Stammzellen wurden dann in das Gehirn von Ratten transplantiert, deren dopaminerge Zellen chemisch zerstört worden waren und die deshalb eine Parkinsonsche Bewegungsstörung entwickelten hatten, Von der sie sich innerhalb von acht Wochen nach der Transplantation fast vollständig erholten.

Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Die histologische Untersuchung der Tiere, die zehn Wochen nach der Stammzelltherapie getötet worden waren, ergab, dass nur noch ein Fünftel der transplantierten Zellen Dopamin produzierten. Schlimmer noch: Die anderen Zellen zeigten ein unkontrolliertes Wachstum. Dies stellt die Sicherheit dieses neuen Therapieansatzes infrage. Denn ein Krebswachstum – zu dem es bei den Tieren zwar noch nicht gekommen war – wäre sicherlich ein zu hoher Preis für eine (auch nur) vorübergehende Besserung der Symptomatik.

Das Potenzial von Stammzellen zur Tumorbildung war auch bei früheren Tierexperimenten bereits aufgefallen. Doch diese Mal hatten die Forscher nicht damit gerechnet, da sie ja nur ausgereifte Zellen transplantiert hatten. Möglicherweise, so spekulieren die Autoren, hatten sie ihre Zellpräparate vor der Transplantation nur nicht sorgfältig genug von undifferenzierten Zellen gereinigt. Vielleicht gelingt dies in weiteren Versuchen. Die Tür für eine erfolgreiche Stammzelltherapie ist deshalb noch nicht vollständig geschlossen. Der neue Therapieansatz erlitt allerdings einen Rückschritt und klinische Experimente sind damit erst einmal in weite Ferne gerückt. © rme/aerzteblatt.de

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