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Politik

Ethikrat-Mitglied Nagel warnt vor kommerziellem Organhandel

Donnerstag, 4. Januar 2007

Berlin - Der Transplantationsmediziner und Angehörige des Nationalen Ethikrates, Eckart Nagel, hat Forderungen des Volkswirtschaftlers Peter Oberender nach einem regulierten Markt für Organhandel scharf kritisiert. Nagel schlug am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur eine Änderung des Transplantationsgesetzes vor, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Organhandel sei eine Perversion, gegen die sich die Transplantationsmediziner immer gewandt hätten, so der Leiter des Transplantationszentrums Augsburg.

Oberender hatte sich Ende Dezember dafür ausgesprochen, den Verkauf menschlicher Organe in geregelter Form zu erlauben. Nagel nannte diesen Vorschlag „völlig absurd“. Es sei ein Zeichen für die Verödung des Geistes, wenn man glaube, dass alles mit der Ökonomie geregelt werden müsse. Die Problematik der Organspende müsse „von kommerziellen Gesichtspunkten völlig getrennt werden“.

Um in Deutschland mehr Organe zur Verfügung zu haben, schlug Nagel vor, das Transplantationsgesetz zu ändern und statt der geltenden Zustimmungsregelung eine Widerspruchsregelung einzuführen. Bislang können in Deutschland nur bei solchen Patienten Organe entnommen werden, die zuvor ausdrücklich zugestimmt haben. Ist der ausdrückliche Wille des Patienten nicht bekannt, entscheiden die nächsten Angehörigen auf der Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen. Bei der Widerspruchsregelung ist jeder Mensch potenzieller Organspender, sofern er dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. Bei einer solchen Regelung würde schon viel gewonnen, so Nagel.

2005 wurden in der Bundesrepublik so viele Organe wie noch nie gespendet. Laut Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation stellten bundesweit 1.220 Menschen nach dem Tod ihre Organe zur Verfügung. Bezogen auf die Einwohnerzahl in Deutschland sind das 15 Organspender pro eine Million Einwohner (2004: 13 Organspender). Es wurden 3.778 Organe von Verstorbenen für Transplantationen zur Verfügung gestellt (2004: 3.508). Dennoch standen immer noch 12.000 Menschen für eine Transplantation auf der Warteliste. © kna/aerzteblatt.de

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