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Medizin

Cochrane: Vareniclin verdreifacht Abstinenzchancen von Rauchern

Donnerstag, 25. Januar 2007

Oxford - Die Cochrane Collaboration hat aktuell eine Reihe neuer Bewertungen vorgelegt, darunter eine sehr positive Einschätzung zu Vareniclin und Bupropion zur Raucherentwöhnung. 

Vareniclin ist nach der Nikotinersatztherapie und dem Antidepressivum Bupropion erst das dritte Medikament zur Raucherentwöhnung und die erste Neueinführung seit zehn Jahren. Im Oktober 2006 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur EMEA dem Medikament Champix® die Zulassung, das der Hersteller Pfizer noch in diesem Frühjahr auf den deutschen Markt einführen will. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMEA hält die Wirkung von Vareniclin für bewiesen: In den beiden Zulassungsstudien waren 40 Wochen nach dem Ende der Behandlung noch 23 Prozent der mit Vareniclin behandelten Raucher abstinent gegenüber 9 Prozent unter Placebo.

Vareniclin ist ein partieller Agonist am Nikotinrezeptor. Es tritt also die gleiche Wirkung auf wie beim Rauchen. Wichtiger noch: Auch die langsame Freisetzung von Dopamin, dem „Belohnungsneurotransmitter“ bleibt erhalten, was die Entzugssymptome senkt. Gleichzeitig verhindert Vareniclin eine Bindung von Nikotin am Rezeptor, weshalb bei einem Rückfall (jedenfalls solange das Medikament eingenommen wird) die befriedigende Wirkung der ersten Zigarette entfällt.

Die Gruppe um Kate Cahill von der Oxford Universität, welche die Daten für die Cochrane-Collaboration ausgewertet hat, schließt sich weitgehend dem Urteil der EMEA an. Sie errechnet sogar gegenüber Placebo 3-fach höhere Chancen für den Raucher, mithilfe des Medikaments dauerhaft vom Tabakkonsum loszukommen. Dies soll den Raucher um den Faktor 1,5 besser gelingen als unter einer Therapie mit Bupropion.

Was nicht bedeutet, dass Bupropion wirkungslos ist. Im Gegenteil: Eine weitere Übersicht, die John Hughes von der Universität von Vermont in Burlington verfasst hat, kommt zu dem Schluss, dass Bupropion die Chance auf eine Abstinenz immerhin verdoppelt. Dies gelte auch für Nortriptilin, das wie Bupropion zu den Antidepressiva gehört. Ein Ausweichen auf diese Präparate dürfte sich etwa bei Patienten empfehlen, die unter Vareniclin über Übelkeit (Nausea), Schlaflosigkeit, abnorme Träume oder Kopfschmerzen klagen, den häufigsten Nebenwirkungen des neuen Medikaments. Hughes bewertet auch die Wirkung der selektiven Serotonin Reuptake Inhibitoren (SSRI). Sie sind seiner Einschätzung nach wirkungslos.

Weitere Übersichten der Cochrane Collaboration betreffen die subkutane spezifische Immuntherapie bei Heuschupfen (wirksam), Beta-Blocker (weniger wirksam als andere Mittel bei der initialen Hypertoniebehandlung). Phosphodiesterase-Typ 5 Inhibitoren wie Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil (wirksam auch bei Diabetikern), das Coaching von älteren Patienten vor dem Arztbesuch (Broschüren regen die Patienten an, mehr Fragen zu stellen) und die gesundheitlichen Vorteile von Schulmahlzeiten (erhöhen die körperliche und geistige Gesundheit vor allem beim ärmeren Kindern). © rme/aerzteblatt.de

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