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Politik

Städte wollen Heroinabgabe fortsetzen

Mittwoch, 7. Februar 2007

ddp

Frankfurt/Main - Gegen das drohende Aus für ein Projekt zur kontrollierten Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige in sieben westdeutschen Städten wehren sich die Kommunen. Bei einem Treffen von Vertretern aus Hamburg, Hannover, Köln, Bonn, Frankfurt am Main, Karlsruhe und München heute in der Main-Metropole sprachen sich die Kommunen dafür aus, „diese erwiesenermaßen wirksame Behandlungsform für Schwerstabhängige“ aufrecht zu erhalten. In dem seit Wochen schwelenden Streit mit der Bundesebene setzen die Kommunen eine Vermittlung durch die Bundesländer. Die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) unterstrich, Frankfurt behalte sich auch den Rechtsweg offen.

Ein Ende der Therapieform mit dem hochreinen Heroinpräparat Diamorphin zum 30. Juni dieses Jahres ist aus Sicht der sieben Städte aus gesundheits- und gesellschaftspolitischen Gründen „nicht akzeptabel“. Sie verwiesen auf die im April vergangenen Jahres vorgestellte Studie zum Modellprojekt: Demnach schneidet Diamorphin in der Wirkung besser ab als die Ersatzdroge Methadon. Damit das pharmazeutisch hergestellte Heroin vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Medikament zugelassen werden kann, muss zunächst das Betäubungsmittelgesetz entsprechend geändert werden. Bislang gilt Diamorphin als „nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel“.

Die kommunalen Vertreter appellierten gemeinsam mit der ebenfalls anwesenden Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), an den Bundestag, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Fortführung des 2002 gestarteten Modellprojektes zu schaffen. Kritik wurde vor allem an der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion laut, in deren Reihen es den stärksten Widerstand gegen das Konzept gibt. Der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Zöller (CSU) sieht den Hauptkritikpunkt in den Kosten. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn forderte, die beteiligten Städte und Bundesländer sollten „sich dazu äußern, was sie selbst bezahlen wollen und was die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung zahlen soll“. Bätzing mahnte eine „große Koalition der Vernunft und Menschlichkeit“ in dieser Frage an.

Um das Projekt über die Modellphase hinaus zu erhalten, müsste der Bundestag der regulären Vergabe von Diamorphin zustimmen und die Bundesregierung bis zu einer gesetzlichen Regelung den Städten die weitere kontrollierte Vergabe ermöglichen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen plädiert dafür, Heroin als Medikament zuzulassen.

Auch die Ärztekammer Hamburg forderte, die Heroinvergabe in den Drogenambulanzen fortzusetzen. „Wir haben zu Beginn der entsprechenden Studie darauf bestanden, dass die Teilnehmenden über die Projektdauer hinaus weiter synthetisches Heroin in den Ambulanzen erhalten, um nicht wieder in die unkontrollierte Sucht abzurutschen“, sagte der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Frank Ulrich Montgomery. Es bedeute einen großen Vertrauensverlust und eine Gefahr für Leib und Leben der Teilnehmenden, wenn dies nicht gewährleistet sei.

Das Modellprojekt soll Menschen helfen, die seit langer Zeit Heroin konsumieren und denen andere Therapien nicht helfen. Im Laufe der Zeit nahmen über 1.100 Abhängige an dem Projekt teil. Das potenzielle Teilnehmerfeld schätzte die Drogenbeauftragte auf bundesweit 1.500 bis 1.800 Personen. © afp/ddp/aerzteblatt.de

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