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Medizin

Parkinson: Endocannabinoide könnten motorische Bremsen lösen

Donnerstag, 8. Februar 2007

Stanford - Bislang wurden Endocannabinoide, also die körpereigenen Variante der Cannabis-Droge, nicht mit Störungen des extrapyramidalen Bewegungssystems wie dem Morbus Parkinson in Verbindung gebracht. Doch tierexperimentelle Befunde in Nature (2007; 445, 643-647) zeigen, dass eine Steigerung der Endocannabinoid-Aktivität im Striatum die Wirkung von Dopaminagonisten deutlich verstärken kann. Nach Angabe von Robert Malenka von der Stanford Universität gibt es keine Hinweise, dass das Rauchen von Haschisch oder Marihuana Patienten mit Parkinsonerkrankung in irgendeiner Weise nützten könnte, auch wenn sich die Experimente der Forscher so interpretieren ließen. 

Die US-Forscher beschäftigten sich mit den pathophysiologischen Zusammenhängen im Striatum. Hier treffen jene von der Substantia nigra ausgehenden Nervenzellen ein, deren Degeneration die Ursache der Erkrankung ist. Es gibt jedoch zahlreiche andere Nervenverbindungen, die hier steuernd eingreifen. Was genau im Striatum geschieht, ist laut Malenka nicht erforscht und wesentlich komplexer als bisher angenommen wurde. Die Stanford-Forscher konnten im Striatum unterschiedliche Neurone und Transmittersysteme nachweisen. Dabei bedienten sie sich gentechnisch modifizierter Mäuse, bei denen einzelne Neurone mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert wurden, sodass sie in den Hirnschnitten nach der Bestrahlung ein grünes Licht aussenden. 

Malenka unterscheidet, stark vereinfacht, zwei unterschiedliche Systeme, von denen eines die Bewegungen fördert (Exzitation), und das andere sich eher bremsend auswirkt (Inhibition). Zusammen tarieren sie die von der Großhirnrinde ausgehenden Befehle so aus, dass feinmotorische Bewegungen herauskommen. Ein Dopaminmangel stört das Gleichgewicht in Richtung Inhibition. Die Patienten verlieren die Fähigkeit, geschmeidige Bewegungen durchzuführen. Es kommt zur Rigidität, zum Tremor und manchmal zum vollständigen Verlust der Bewegungsfähigkeit. Der derzeitige Ansatz in der Therapie besteht in der Substitution von Dopamin. In den Experimenten wurden die Bewegungsstörungen mit dem Dopaminagonisten Quinpirol verbessert.

Die Gruppe um Malenka kann jetzt aber zeigen, dass das Gleichgewicht auch von der anderen Seite her wieder hergestellt werden kann – und zwar durch die Gabe von URB597, einem von Kadmus Pharmaceuticals in Irvine/Kalifornien hergestellten Inhibitors des Endocannabinoidabbaus. Das Ergebnis ist eine Steigerung der Endocannabinoide im Gehirn. Auf diese Idee waren die Forscher gekommen, nachdem sie entdeckt hatten, dass Endocannabinoide auf Umwege in die komplexen Verschaltungen in den Basalganglien eingreifen und zwar auf eine Weise, welche die Exzitation der Bewegungen bremst, was das gestörte Gleichgewicht beim Parkinsonpatienten wieder herstellt.

Die Verhältnisse sind aber kompliziert. In den Experimenten war URB597 vor allem dann wirksam, wenn es zusammen mit dem Dopaminagonisten gegeben wurde. Die Experimente zeigen: Wird nur der Dopaminagonist gegeben, verbessern sich die motorischen Störungen nur graduell. Wurde zusätzlich der Blocker des Endocannabinoidabbaus gegeben, konnten sich die Versuchstiere bereits nach wenigen Minuten ohne jegliche Störung bewegen. Ob diese Kombination auch beim Menschen eine derart durchschlagende Wirkung hat, ist offen. © rme/aerzteblatt.de

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