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Medizin

Rett-Syndrom im Tiermodell reversibel

Freitag, 9. Februar 2007

Edinburgh - Schottische Wissenschaftler haben bei Versuchstieren die Symptome des Rett-Syndroms vollständig beseitigen können. Auch wenn sich die in Science (2007; doi: 10.1126/science.1138389) beschriebene Therapie nicht beim Menschen anwenden lässt, scheinen therapeutische Ansätze nicht mehr so ausgeschlossen zu sein, wie bisher angenommen wurde.

Das Rett-Syndrom ist eine nicht so seltene (Prävalenz 1:10.000 bis 1:15.000) Entwicklungsstörung des Gehirns, die durch Gendefekte auf dem X-Chromosom ausgelöst wird. Es erkranken fast nur Mädchen, bei denen es nach einer anfänglich normalen Entwicklung meistens zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat zunächst zu einem Stillstand und dann zu einer deutlichen Regression der geistigen und motorischen Entwicklung kommt. In der weiteren Folge verlernt das Kind bereits erworbene Fähigkeiten.

Die Mädchen ziehen sich von ihren sozialen Kontakten zurück, verlieren die erste Sprachfähigkeit, sodass die Erkrankung leicht mit einem Autismus verwechselt werden kann. Dieser Eindruck wird noch durch stereotype Bewegungen der Hände verstärkt, die sich als knetende Fingerbewegungen manifestieren. Dass eine andere Störung vorliegt, zeigt sich an den epileptischen Anfällen und am fortschreitenden neurologischen Verfall, der zur zunehmenden Immobilität führt.

Im Jahr 1999 fand ein internationales Forscherteam den ersten von bisher zwei Gendefekten. Ursächlich für das Rett-Syndrom sind Mutationen im Gen für das Methyl-CpG-Binding-Protein 2 (MeCP2). Dabei handelt es sich um einen Regulator, der die Aktivität anderer Gene steuert. Wie genau dies zum Rett-Syndrom führt, ist nicht bekannt. Doch die jetzt von Adrian Bird, Universität Edinburgh, und Mitarbeitern vorgestellten Studienergebnisse zeigen, dass die Schäden am Nervensystem möglicherweise nicht permanent sind. 

Die Forscher schufen zunächst ein Mausmodell des Rett-Syndroms, indem sie eine „genetische Sperre“ in MeCP2 einbauten. Ein zusätzlicher DNA-Baustein verhinderte, dass das Gen korrekt abgelesen wurde. Diese Mäuse erkrankten im Alter von 4 bis 12 Monaten. Die Beweglichkeit ließ nach, es kam zu Laufstörungen, Tremor und Atemstörungen.

Bird hatte die Tiere jedoch zusätzlich zur Gensperre mit einem Spezial-Gen versehen, das ein DNA-Splicing-Enzym kodierte. Dieses Eiweiß ist in der Lage, die Gensperre wieder zu entfernen. Gesteuert wurde das Gen übrigens durch Östrogene. Die Gabe von Tamoxifen löste den Schalter aus, der MeCP2 wieder instand setzte.

Die Besonderheit der Studie ist, dass sich die Symptome des Rett-Syndroms komplett zurückbildeten, was auf den Videos zu sehen ist, welche die Rett Syndrome Research Foundation im Internet anbietet. 

Die Forschungsergebnisse berechtigen zu der Hoffnung, dass auch das Rett-Syndrom beim Menschen reversibel sein könnte. Wie die Behandlung aussehen könnte, ist aber völlig unklar. Die bei den Versuchstieren angewandte Technik lässt sich nicht auf den Menschen übertragen, wo die Erkrankung nicht durch eine Gensperre, sondern durch Mutationen ausgelöst wird. Eine Methode, diese Fehler auf der Ebene der DNA zu reparieren, gibt es nicht. Es bleibt deshalb darauf zu hoffen, dass die weiteren pathophysiologischen Vorgänge bis zur Schädigung der Nerven möglichst schnell erforscht werden. Dort könnten sich dann durchaus medikamentöse Angriffspunkte ergeben, beispielsweise durch die Hemmung von Enzymen oder die Substitution fehlender Faktoren. © rme/aerzteblatt.de

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