Medizin

Watchful-Waiting beim Prostatakarzinom: PSA-Verlauf als unzuverlässiger Prädiktor

Donnerstag, 5. April 2007

Stockholm - Die zeitliche Entwicklung der PSA-Werte in den ersten Jahren nach der Diagnose eines Prostatakarzinoms geben keine zuverlässigen Hinweise auf die Prognose der Patienten. Zu diesem Ergebnis kommt die Scandinavian Prostate Cancer Group in ihrer jüngsten Publikation im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2007; 99: 526–532).

Das Dilemma des PSA-Screenings zeigt sich an folgenden Zahlen: In den USA wird heute bei 17 Prozent aller Männer ein Prostatakarzinom entdeckt. Vor Einführung des PSA-Screenings waren es nur 8,7 Prozent. Das hat allerdings nicht verhindert, das heute mit 3 Prozent mehr Männer an einem Prostatakrebs sterben als 1985, vor Einführung des Screenings starben 2,5 aller Männer an diesem Alterskrebs. Diese Zahlen, die Dipen Parekh von der Universität von Texas in San Antonio im Editorial mitteilt (JNCI 2007; 99: 496-497), sind zwar eine grobe Vereinfachung, aber auch in den USA ist das Interesse an einer aktiven Überwachung (active surveillance) von Patienten gewachsen, bei denen während des Screenings ein Tumor im Frühstadium entdeckt wird.

Ein nahe liegender Ansatz wäre die regelmäßige Kontrolle der PSA-Werte, um bei einem weiteren Anstieg noch rechtzeitig im Zeitfenster der Kurabilität operieren (oder radiotherapieren) zu können. US-Urologen beobachten deshalb mit Interesse die Erfahrungen der Scandinavian Prostate Cancer Group. Diese betreut seit 1989 eine Gruppe von inzwischen 267 Männern, die sich nach der Diagnose ihres Prostatakarzinoms nicht sofort einer radikalen Prostatektomie (oder einer Radiotherapie) unterzogen. Bis Ende 2003 sind nach einer mittleren Beobachtungszeit von jetzt 8,5 Jahren 34 Patienten am Prostatakarzinom gestorben und 18 leiden an einem metastasierten Prostatakarzinom.

Die Gruppe um Katja Fall vom Karolinska Institut in Stockholm hat sich die PSA-Werte in den ersten beiden Jahren genau angesehen, um Hinweise für die spätere Prognose der Patienten zu finden. Doch dies gelang nicht. Zwar hatten Männer mit schnell wachsenden und deshalb tödlichen Tumoren oft einen hohen PSA-Wert und eine schnelle Verdopplung der PSA-Werte. Umgekehrt kann jedoch von einem hohen PSA-Wert oder einer schnellen Veränderung der PSA-Werte nicht sicher auf einen tödlichen Tumor geschlossen werden.

Der Grund ist die starke Überlappung der PSA-Kurven und der PSA-Verdopplungskurzen beider Gruppen, also jener Männer, die später an dem Tumor sterben werden und solchen dies die ihren Krebstod nicht mehr erleben, weil sie aus anderen Ursachen sterben. Die Forscher führten deshalb eine ROC-Analyse (Receiver Operating Characteristic) durch, die sie aber auch nicht weiter führte. Es wird deshalb vorerst keine einfache Methoden geben, die Entwicklung von Prostatakarzinomen vorherzusagen. © rme/aerzteblatt.de

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