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Medizin

Parkinson: Fußödeme nach Pramipexol relativ häufig

Dienstag, 10. April 2007

Philadelphia - Jeder sechste Patient leidet nach der Einnahme des Dopaminagonisten Pramipexol an geschwollenen Füßen. Besonders häufig treten die  Fußödeme nach den Ergebnissen einer jetzt in den Archives of Neurology (2007; doi:10.1001/archneur.64.6.noc60158) veröffentlichten retrospektiven Kohortenstudie bei Diabetikern und Patienten mit koronarer Herzkrankheit auf.

Dass Pramipexol und wohl auch andere Dopaminagonisten eine Schwellung der Füße auslösen können, ist Neurologen, die sich auf die Behandlung des Parkinson-Syndroms spezialisiert haben, spätestens seit der Parkinson CALM-PD-Studie der Parkinson-Study Group bekannt (JAMA 2000; 284: 1931-1938), in der 14,6 Prozent der Patienten unter der Einnahme von Pramipexol periphere Ödeme entwickelten. In der jetzt von Galit Kleiner-Fismann von der Veteranenklinik in Philadelphia vorgestellten retrospektiven Analyse waren es 16 Prozent, die über Fußödeme klagten. 

Ziel der aktuellen Auswertung war es, Risikofaktoren für diese häufige Nebenwirkung zu finden. Es zeigte sich, dass Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) besonders gefährdet sind. Jedem dritten KHK-Patienten schwollen nach der Einnahme von Pramipexol die Füße an. Die Autoren errechnen eine Odds Ratio von 3,35. Auch Diabetiker waren mit einer Odds Ratio von 3,12 deutlich häufiger betroffen, ebenso Patienten, die wegen einer idiopathischen Parkinsonerkrankung (im Gegensatz zu sekundären Parkinsonsyndromen) behandelt wurden. Die Odds Ratio hier: 4,80.

Warum diese Gruppen besonders gefährdet sind, ist laut Kleiner-Fismann ebenso unbekannt wie die Pathogenese dieser Komplikation. Die Parkinsonforscherin vermutet allerdings, dass es sich um eine idiosynkratische Reaktion handelt. Dafür spricht, dass in der Studie keine Dosisabhängigkeit der Fußödeme gefunden wurde. 

Die Autorin geht übrigens davon aus, dass es sich um einen Klassen-Effekt aller Dopaminagonisten handelt, der unabhängig von den ergot-alkaloid-Eigenschaften einzelner Substanzen ist. Pramipexol gehört ohnehin zu den Nicht-Ergotamin-Dopaminagonisten. Beweisend für eine gehäufte Rate von Nebenwirkungen ist eine retrospektive Auswertung von Krankenakten letztlich nicht, zumal es keine Vergleichsstudie gab. Angesichts der hohen Inzidenz scheint es jedoch kaum Zweifel zu geben.

Bemerkenswert ist, dass diese Nebenwirkung in den initialen Studien zur Sicherheit des Medikamentes überhaupt nicht aufgefallen waren. Fußödeme werden bis heute in den US-Fachinformationen (Stand November 2006) nicht erwähnt. Auch periphere Ödeme treten nach den dortigen Angaben, die sich auf die Zulassungsstudien beziehen, nicht gehäuft auf. Die deutschen Fachinformationen, derzeit in Überarbeitung, erwähnen dagegen periphere Ödeme als häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 Prozent). 

Insgesamt zeigt der Fall Pramipexol, dass die Stärkung der Post-Surveillance, also die Überprüfung von Medikamenten und Medizinalprodukten nach der Zulassung, welche die FDA anstrebt, durchaus ihre Berechtigung hat. In diesem Zusammenhang dürfte interessieren, dass die FDA kürzlich ein Internet-Portal eingerichtet hat, auf dem sich die Öffentlichkeit – Ärzte und interessierte Patienten – über den Zustand der Post-Approval-Studien zu Medizinalprodukten informieren kann. © rme/aerzteblatt.de

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