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Politik

Entwicklungs­organisationen: Arzneimittel­forschung neu ausrichten

Donnerstag, 31. Mai 2007

Frankfurt/Berlin - Eine grundlegende Neuausrichtung der Arzneimittelforschung haben mehrere entwicklungspolitische Organisationen gefordert. Ein „Dickicht wuchernder Schutzpatente“ schaffe Monopole, heißt es in einer am Donnerstag in Frankfurt/Main veröffentlichten Erklärung. Dies führe dazu, dass selbst lebensnotwendige Medikamente für Arme unerschwinglich teuer seien oder gar nicht erst entwickelt würden. Unterzeichnet ist die Stellungnahme unter anderen von medico international und den kirchlichen Hilfswerken Misereor und Brot für die Welt.

Sie kritisieren, dass beim gegenwärtigen patentgestützten Forschungsmodell vorwiegend Medikamente und Impfstoffe entwickelt würden, die eine zahlungskräftige Kundschaft fänden. Die Gesundheitsbedürfnisse von Menschen mit keiner oder zu geringer Kaufkraft würden dagegen systematisch vernachlässigt. Der Forschungsehrgeiz der Industrie richte sich weniger auf lebensrettende Innovationen und mehr auf profitable Präparate.

Die Organisationen fordern einen besseren Zugang zu patentgeschützten Arzneimitteln, darunter das Recht auf Erteilung von Zwangslizenzen. Entwicklungsländer müssten beim Aufbau eigener Produktkapazitäten und regionaler Verteilsysteme unterstützt werden. Weiter verlangen die Hilfswerke die Schaffung globaler Finanzierungsmechanismen, mit denen erschwingliche medizinische Innovationen für alle nachhaltig sichergestellt werden könnten. Die Kosten müssten von allen Ländern gemeinsam getragen werden.

Erfolgreiche Innovationen sollten durch einen „Prize Fund“ belohnt werden, statt Forschungskosten über das Gewähren von Monopolen zu refinanzieren, schlagen die Hilfswerke vor. Eine neu zu schaffende zwischenstaatliche Einrichtung etwa bei der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO müsse Forschungsprioritäten festlegen.

Unterdessen forderte die Pharmaindustrie die Teilnehmer des G-8 Gipfels in Heiligendamm auf, sich für eine bessere Gesundheitsversorgung in Afrika einzusetzen. Zusammen mit den Regierungen Afrikas müssten Anstrengungen unternommen werden, die Infrastruktur im Gesundheitswesen zu verbessern, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Weltpharmaverbandes IFPMA, Harvey E. Bale, in Berlin.

Nur dann könnten die drei bedeutendsten Krankheiten in Afrika - Aids, Malaria und Tuberkulose - wirksam bekämpft werden. Ziel der G-8 solle es auch sein, den Ländern Afrikas zu helfen, ihre medizinischen Fachkräfte im Land zu halten. Derzeit gebe es etwa in Malawi nur zwei Ärzte für 100.000 Einwohner, die WHO sehe das Zehnfache als Mindeststandard an. © kna/aerzteblatt.de

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