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Medizin

Cannabis-Tinktur lindert Nickelallergie

Freitag, 8. Juni 2007

Bonn – Endocannabinoide scheinen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsvorgängen in der Haut zu spielen. Darauf deuten tierexperimentelle Studien in Science (2007; 316: 1494-1497) hin. Versuchstiere, denen die Cannabisrezeptoren fehlten, waren sehr anfällig für Kontaktallergien. Eine Tinktur mit der Cannabisdroge könnte eine wirksame Therapie bei Kontaktdermatitis sein.

Wie so oft bei wichtigen Entdeckungen stand auch in diesem Fall der Zufall Pate. Der Neurobiologe Andreas Zimmer vom Bonner Institut für Molekulare Psychiatrie interessiert sich für die Funktion der beiden Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2, die an zahlreichen Orten des Gehirns (aber auch andernorts im Körper) exprimiert werden. Er experimentierte mit Knock-out-Mäusen, denen diese Rezeptoren fehlen.

Bei den Versuchen wurden den Mäusen Ohrclips angehängt. Einige Knock-out Mäuse, denen beide Rezeptorarten fehlten, entwickelten eine heftige Kontaktallergie gegen das in den Ohrclips enthaltene Nickel. Normalerweise sind Mäuse nicht sehr anfällig für Kontaktallergien, weshalb die Dermatologen Evelyn Gaffal und Thomas Tüting dem Befund auf den Grund gingen. Sie vermuteten richtigerweise, dass die Endocannaboide eine Rolle in der Pathogenese der Kontaktdermatitis spielen. Tatsächlich konnte die Anfälligkeit für Kontaktallergien auch durch eine Behandlung mit Cannaboid-Antagonisten erhöht werden.

Die Forscher nehmen an, dass Cannaboide bei Entzündungsreaktionen eine Bremsfunktion haben, indem sie eine Überreaktion des Immunsystems verhindern. Dazu passt, dass mit Beginn der Entzündung die Endocannabinoid-Konzentration in den Versuchstieren deutlich anstieg.

Der nächste logische Schritt bestand darin, die therapeutische Wirkung einer Lösung zu untersuchen, die Tetrahydrocannabinol (THC), den Wirkstoff in Cannabis, enthielt. Dazu wurden die Ohren von normalen Mäusen mit Dinitrofluorobenzen (DNFB), einem starken Kontaktallergen, gereizt. Kurz vor und nach Auftrag von DNFB pinselten die Forscher eine THC-Lösung auf die Haut der Tieren, was die kontaktallergische Reaktion deutlich abschwächte.

Damit könnten sich in der klinischen Medizin neue Perspektiven für die Anwendung von THC-haltigen Externa eröffnen, was übrigens keine neue Erfindung wäre. Extrakte der Hanfpflanze Cannabis werden traditionell in der Volksmedizin gegen Entzündungen eingesetzt, haben die Dermatologen recherchiert. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es das Naturheilmittel sogar noch in jeder Apotheke. Wegen der berauschenden Wirkung des THC verschwand die Pflanze jedoch in den 30er-Jahren aus den Regalen. Möglicherweise zu Unrecht, denn die THC-Konzentration der im Tierversuch wirksamen Lösung enthielt nur 30 Mikrogramm THC. Für eine Rauschwirkung in einem “Joint” würden jedoch 150 Milligramm benötigt. © rme /aerzteblatt.de

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