Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antiepileptikum lindert Beschwerden bei Fibromyalgie

Freitag, 22. Juni 2007

Washington – Die Fibromyalgie, eine durch Schmerzen und Müdigkeit gekennzeichnete Gesundheitsstörung, kann häufig durch Einnahme des Antiepileptikums Pregabalin gelindert werden. Dies ergaben zwei randomisierte kontrollierte Studien, die kürzlich auf der Jahrestagung der European Union League Against Rheumatism (EULAR) in Barcelona vorgestellt wurden und deren Ergebnisse jetzt zur Zulassung des Medikamentes Lyrica® durch die amerikanische Arzneibehörde FDA geführt haben.

Die Fibromyalgie wird manchmal als „Leiden ohne Krankheit“ bezeichnet. Tatsächlich gibt es bis heute keine medizinische Erklärung für die Schmerzen, die in verschiedenen Muskeln auftreten und mit einer Druckschmerzhaftigkeit bestimmter Sehnenansatzpunkte einhergehen. Auf der Verteilung und Zahl dieser „Tender points“ basieren auch die 1990 vom American College of Rheumatology (ACR) vorgestellten diagnostischen Kriterien. Die Patientinnen, zu über 90 Prozent sind es Frauen, haben jedoch oft noch weitere Beschwerden. Dazu gehören Schlafstörungen, Morgensteifigkeit, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen und manchmal auch kognitive Störungen, der sogenannte „fibro fog“. 

Die Therapie der Fibromyalgie ist oft unbefriedigend. Die orthopädischen Fachgesellschaften empfehlen trizyklische Antidepressiva oder leichte Analgetika. Nach den jetzt in Barcelona vorgestellten beiden randomisierten kontrollierten Studien scheint auch ein Therapieversuch mit Pregabalin, einem in Deutschland seit September 2004 zugelassenen Antiepileptikum, Erfolg versprechend. Es verhindert (als Add-on Kombination mit anderen Antiepileptika) nicht nur epileptische Anfälle. Auch bei postherpetischen Schmerzen und der diabetischen Neuropathie ist es wirksam: „Periphere und zentrale neuropatische Schmerzen im Erwachsenenalter“ sind in Deutschland ein zugelassenes Anwendungsgebiet. In den USA ist jetzt die Fibromyalgie hinzugekommen. Lyrica® ist dort das erste für diese Indikation zugelassene Medikament.

Die FDA stützt ihre Entscheidung auf zwei randomisierte kontrollierten Studien mit 1.800 Patienten, in denen Pregabalin in der Dosierung von 300 oder 450 mg eingenommen wurden. Einzelheiten zu den Studien werden nicht genannt. Die Fachinformation war zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht im Internet zu finden. Es dürfte sich jedoch um Studien handeln, deren Ergebnisse auf der EULAR-Tagung vorgestellt wurde. Beide zeigen eine Wirkung von Pregabalin. In der Studie von Leslie Arnold von der Universität von Cincinnati verbesserte Pregabalin den Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQ-Score) signifikant. In der Studie von  Leslie Crofford von der Universität von Kentucky in Lexington war die Zeit bis zum Wirkungsverlust (“loss of therapeutic response” LTR) deutlich verlängert.

In dieser Studie waren zunächst alle Teilnehmerinnen über 6 Wochen mit Pregabalin behandelt worden. Bei etwa der Hälfte der Patientinnen kam es darunter zu einer deutlichen Besserung (Schmerzlinderung um 50 Prozent oder mehr sowie „deutliche Besserung“ um Patientenurteil). Nur diese Patienten nahmen an der anschließenden Doppelblindstudie über 26 Wochen teil. Zur LTR kam es bei 61 Prozent im Placeboarm, aber auch bei 32 Prozent unter Pregabalin.

Diese Zahlen zeigen, dass die Therapie nur bei selektierten Patientinnen sinnvoll ist und auch hier nicht immer die erhoffte Wirkung zeigt. Der Effektivität stehen einige Nebenwirkungen gegenüber. Laut FDA sind dies in erster Linie Benommenheit und Schläfrigkeit, aber auch Sehstörungen, Gewichtszunahme, trockener Mund oder Schwellungen an Händen oder Füßen wurden beobachtet. Der Hersteller hat sich laut FDA verpflichtet, weitere Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und stillenden Müttern durchzuführen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige