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Medizin

Pilotstudie: Gentherapie bei Parkinson angeblich erfolgreich

Freitag, 22. Juni 2007

New York – US-Forscher melden erste Erfolge in der Gentherapie des Morbus Parkinson. Nach einer Studie im Lancet (2007; 369: 2097-2105) haben sich die Bewegungsstörungen bei zehn der zwölf Patienten deutlich gebessert.

Die Teilnehmer der Phase-I-Studie wurden bereits vor mehr als einem Jahr behandelt. Das Team um Michael Kaplitt und Matthew During von der Cornell University in New York hatte den elf Männern und einer Frau, alle langjährige Parkinsonpatienten, durch einen Katheter über 1,5 Stunden langsam eine Lösung in den Nucleus subthalamicus injiziert. Die Lösung enthielt adeno-assoziierte Viren (AAV), die von den Genetikern gerne als Transportvehikel verwendet werden, um fremde Gene in den Körper einzuführen.

AAV sollen für den Menschen harmlos sein, sie sind aber in der Lage menschliche Zellen zu infizieren und ihre Genlast in deren Innerem abzulegen. In der aktuellen Studie versorgten die AAV die Zellen des Nucleus subthalamicus mit der genetischen Information für das Enzym Glutaminsäuredecarboxylase (GAD), die den inhibitorischen Neurotransmitter Gamma-aminobuttersäure (GABA) herstellt.

Das beseitigt zwar nicht die eigentliche Ursache des Morbus Parkinson, die in einem Verlust von Dopamin in Neuronen besteht, die von der Substantia nigra zum Striatum reichen. Doch in der komplexen Neuronenverschaltung in den Basalganglien kann eine Vermehrung der inhibitorischen GABA-Freisetzung im Nucleus subthalamicus die Störungen auffangen, die andernorts durch den Dopaminmangel entstehen.

Dies hatten die Forscher vor 5 Jahren bereits erfolgreich an Ratten zeigen können. Mittlerweile haben sie eine eigene Firma gegründet, die diese Form der Therapie jetzt klinisch erprobt, in der Hoffnung, sie später vermarkten zu können. So weit sind die Forscher und Eigentümer von Neurologix Inc. aus Fort Lee in New Jersey indes noch nicht. Ihre Phase-I-Studie hatte den primären Zweck, die Sicherheit dieser neuartigen Therapie zu belegen. Dies scheint gelungen: Alle Patienten haben die Operation gut überstanden und bisher sind keine negativen Auswirkungen der Gentherapie entdeckt worden, versichern die Forscher in ihrer Publikation.

Vorsichtshalber war die Therapie nur auf einer Hirnhemisphäre durchgeführt worden, was – auch ohne Kontrollgruppe mit Scheintherapie – eine eingeschränkte Beurteilung der Wirksamkeit erlaubt. Wie die Mediziner berichten, dauerte es mehr als ein Monat bis es zu Veränderungen in der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS) kam, dem wichtigsten Instrument zur klinischen Beurteilung. Nach drei Monaten war die volle Wirkung erreicht, die bislang ein Jahr anhielt. Nach einem Jahr war bei zehn der zwölf Patienten eine signifikante Verbesserung erkennbar.

Der UPDRS-Score hatte sich im Durchschnitt um 25 Prozent gebessert. Bei vier Patienten besserte sich der UPDRS-Score sogar um mehr als 40 Prozent. Dies schlug jedoch nicht auf die ADL-Bewertung (Activities of daily life) durch, möglicherweise weil nur eine Hirnhälfte behandelt wurde. Die Forscher können auch mit der Positronen­emissions­tomo­graphie dokumentieren, dass es zu Veränderungen im Hirnstoffwechsel kam. Im Thalamus, der im neuronalen Netzwerk dem Nucleus subthalamicus nachgeschalteten Struktur, war ein Jahr nach der Therapie der Verbrauch von Glukose herabgesetzt, genau wie dies die Forscher vorhergesagt hatten.

Dennoch wäre es nach Ansicht des Editorialisten Jon Stoessl von der Universität Vancouver völlig verfrüht, von einer wirksamen Therapie zu sprechen (Lancet 2007; 369: 205-2058). Der Placeboaffekt sei beim Morbus Parkinson sehr ausgeprägt. Dies gelte besonders nach Operationen. Stoessl erinnerte an die positiven Berichte, die es in den 1990er-Jahren nach den ersten Versuchen zur Transplantation von fetalen Zellen in die Basalganglien gegeben hatte. Sie konnten in einer später durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie nicht bestätigt werden. Auch die Gentherapie von Kaplitt und During wird sich diesem Test stellen müssen, bei dem bei der Hälfte der Patienten eine Scheinbehandlung durchgeführt wird.

Eine erste größere Studie soll noch Ende diesen Jahres beginnen, heißt es. Auch die Sicherheit der Therapie ist nach Ansicht von Stoessl nicht abschließend belegt. Der Nucleus subthalamicus habe beispielsweise eine wichtige Rolle beim Lernen. Wenn er bei der Gentherapie ausgebremst wird, könnte dies langfristig negative Folgen für die kognitiven Fähigkeiten der Patienten haben.

Stoessl macht sich auch Sorgen, dass die Viren ihre Last in benachbarten Strukturen abladen könnten, was in dem fein abgestimmten neuronalen Netzwerk unter Umständen unvorhersehbare Folgen hätte. Im Übrigen wird sich die Therapie mit der erfolgreichen Tiefenhirnstimulation beim Morbus Parkinson messen lassen müssen. Von einem Durchbruch der Gentherapie zu reden, erscheint deshalb nicht angemessen. © rme/aerzteblatt.de

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