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Medizin

Akupunktur wirkt bei Reizdarmsyndrom

Freitag, 3. August 2007

Heidelberg – Akupunktur kann bei Patienten mit Reizdarmsyndrom das vegetative Nervensystem beeinflussen und Stress abbauen. Diese positive Wirkung tritt unter einer Placebo-Behandlung nicht auf. Für ihre Studien auf diesem Gebiet wurden Antonius Schneider, Facharzt in der Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikum Heidelberg, und sein Team mit dem Deutschen Akupunkturpreis 2007 in der Kategorie „beste Forschungsarbeit“ ausgezeichnet. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. verleiht den Preis einmal im Jahr.

Unter einem Reizdarmsyndrom leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Die Krankheitsursache ist nach Angaben der Arbeitsgruppe nicht bekannt. Die Patienten klagen über ein schmerzhaftes Spannungsgefühl im Bauch sowie über Durchfall und Verstopfungen im Wechsel. Eine wirksame Behandlung gibt es bislang noch nicht.

Die Probanden erhielten entweder eine echte (Verum-)Akupunktur oder eine Schein-Anwendung, die von dem Heidelberger Anästhesisten Konrad Streitberger entwickelt wurde: Bei diesem technischen Kunstgriff wird die Akupunktur nur simuliert, ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden.

In ihrer Studie gingen die Heidelberger Wissenschaftler zunächst der Frage nach, ob ein Akupunkturverfahren die Lebensqualität der Patienten mit einem Reizdarmsyndrom positiv beeinflusst. Anhand eines speziellen Fragebogens untersuchten sie die Auswirkungen auf Schmerzen, die Tagesaktivität, den Schlaf und die Verdauung.

„Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied festgestellt werden konnte“, fasste Schneider das erste Ergebnis der Studie zusammen. In diesem Punkt scheint die Wirkung der Akupunktur auf psychische Faktoren zurückzuführen zu sein.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Heidelberger Wissenschaftler, ob Akupunktur bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom auch körperliche Funktionen messbar verändert. Dabei konnten sie einen positiven Effekt auf das parasympathische Nervensystem nachweisen. Durch Messungen im Speichel der Patienten fanden sie heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt.

Darüber hinaus ging die Stärkung des Parasympathikus mit einer Besserung der Schmerzen einher. „In der Placebo-Gruppe der Reizdarmsyndrom-Patienten konnte diese eindrucksvolle Stärkung des parasympathischen Nervensystems nicht beobachtet werden“, so Schneider. Allerdings nahmen an der Heidelberger Studie nur 43 Patienten teil, die über fünf Wochen jeweils zweimal wöchentlich akupunktiert wurden. © rme/aerzteblatt.de

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