Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesrat für Heroinabgabe an Schwerstabhängige

Freitag, 21. September 2007

Heroinambulanz /ddp

Berlin – Der Bundesrat tritt für eine kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstabhängige ein, stößt damit aber bei der Union auf Widerstand. Patienten, die älter als 23 Jahre und seit mindestens fünf Jahren abhängig sind, sollten den Stoff Diamorphin in speziellen Einrichtungen erhalten können, heißt es in einer am Freitag von der Länderkammer beschlossenen Gesetzesinitiative.

Die Gesundheitsexperten der Unionsfraktion erklärten hingegen, es bestehe die Gefahr, dass damit ein „genereller Rechtsanspruch“ auf eine entsprechende Behandlung geschaffen werde. Die Grünen sowie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, begrüßten dagegen das Vorhaben der Länderkammer.

Diamorphin, bei dem es sich um reines Heroin handelt, müsse als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft werden, heißt es in dem Gesetzentwurf des Bundesrates. Mit der Vorlage muss sich nun der Bundestag befassen. Hintergrund sind Modellprojekte in den Städten Frankfurt am Main, Bonn, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln und München, die von Experten als erfolgreich eingestuft werden. Die Gruppe der Schwerstabhängigen sei „nicht klar abgrenzbar definiert“, erklärten die Unions-Abgeordneten. Daher „bestünde die erhebliche Gefahr einer unsachgemäßen und unabsehbaren Ausweitung der Behandlung mit Heroin.“ 

Dagegen erklärten die Grünen, die Entscheidung des Bundesrats sei „ein gutes Signal“ für schwer opiatabhängige Patienten. „Diese Initiative von unionsgeführten Bundesländern ist Ausdruck eines politischen Realitätsbewusstseins, das wir nun auch von der Unionsfraktion im Bundestag erwarten“, sagte der drogenpolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe. Die „überwältigende Mehrheit von 13 Ländern“ sei „ein klares Signal an den Bundestag“, eine gesetzliche Regelung zu beschließen, sagte Bätzing. Sie rief die Union auf, sich dem Votum des Bundesrats anzuschließen. Eine Studie habe ergeben, dass von einem befürchteten „Dammbruch“ keine Rede sein könne. „Ein Ansturm von Heroinabhängigen auf die Diamorphinbehandlung, wie von manchen befürchtet, wird ausbleiben“, sagte Bätzing. 

Demgegenüber erklärte die Union, die weit gefassten Kriterien könnten nach Aussagen von Sachverständigen dazu führen, dass zwischen 6.000 und 80.000 Abhängige Anspruch auf eine Versorgung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen hätten. Die vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium angegebene Begrenzung auf 1.500 Patienten sei „nicht realistisch.“ © afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.11.17
Opiatentzug: Naltrexon und Buprenorphin in Studie gleich gut wirksam
New York – Die Opioidkrise, die von der US-Regierung jetzt zu einem nationalen Notstand erklärt wurde, wird die Behandlung Hunderttausender Abhängiger erforderlich machen. Das National Institute on......
26.10.17
Methadon bei Krebs: Patienteninformation des ÄZQ steht online
Berlin – Im Auftrag der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) eine Patienteninformation zum Thema Methadon......
19.10.17
Substitutions­therapie: Änderungen in Kraft getreten
Berlin – Nach der Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung Mitte des Jahres ist nun die überarbeitete Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zur Durchführung der substitutionsgestützten......
29.09.17
Neue Richtlinie der Bundesärzte­kammer flexibilisiert Substitutions­therapie
Berlin – Ärzte können die Substitutionstherapie von Opiatabhängigen künftig sehr viel genauer an die individuellen Bedürfnisse ihrer Patienten anpassen. Das sieht die neue Substitutionsrichtlinie der......
15.03.17
Politik stärkt die ärztliche Substitutions­therapie
Berlin – Die Bundesregierung will die Ersatztherapie von Drogenabhängigen verbessern. Unter anderem sollen künftig mehr Einrichtungen Substitutionsmittel an Betroffene ausgeben dürfen, um eine......
02.03.17
Methadon­substitution: Abhängige steigen zunehmend auf Alkohol um
Zürich – Die Methadonprogramme im Schweizer Kanton Zürich haben sich auch langfristig als erfolgreich erwiesen. Der Anteil der Abhängigen, die zusätzlich Heroin oder Kokain konsumieren, ist laut einer......
26.01.17
Mangel an Substitutionsärzten: Experten sorgen sich
Karlsruhe – Die Versorgung von Drogenabhängigen in Baden-Württemberg mit Ersatzstoffen wie Methadon ist nach Einschätzung von Experten in Gefahr. „Wir sind akut in Not und eine Lösung ist nicht in......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige