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Medizin

GERAC-Studie: Vorteile der (Schein)-Akupunktur bei Lumbalgie

Dienstag, 25. September 2007

Regensburg – Regelmäßige Akupunkturen können bei Patienten mit Lumbalgie die Schmerzen deutlich lindern. Dies zeigen die jetzt in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 1892-1898) publizierten Ergebnisse einer GERAC-Studie. Ein Wirkungsbeleg für die traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist dies freilich nicht.

Nach den Regeln der TCM kann durch das Einstechen von feinen Nadeln an definierten Linien auf der Haut, den Meridianen, der Fluss des „Qi“, einer Art imaginärer Lebensenergie umgelenkt werden. Wer – nach langjähriger Ausbildung bei einem „Meister“ dieses Metiers versteht sich – in der Lage ist, die richtigen Punkte zu treffen, kann viele menschliche Leiden lindern.

Zu den Anwendungsgebieten der TCM zählen auch chronische Kreuzschmerzen, die bei einer Lebenszeitprävalenz von 70 bis 85 Prozent eine der häufigsten menschlichen Erkrankungen sind und sicher auch ein lukratives Betätigungsfeld für Akupunkteure, zumal die häufigen Therapiesitzungen eine enge Bindung des Patienten an den Therapeuten garantieren.

Die bislang größte und nach rigorosen wissenschaftlichen Standards durchgeführte Studie ist hier der German acupuncture trial (GERAC). Seine Ergebnisse bescheinigen der nach den Regeln der TCM-Kunst durchgeführten Akupunktur eine gute Wirkung. Nach zehn jeweils 30-minütigen Sitzungen (etwa 2 pro Woche) hatten 47,6 Prozent der 387 Patienten auf die echte Akupunktur angesprochen: Sie gaben eine Verbesserung um 33 Prozent oder mehr im „Von Korff Chronic Pain Grade Scale“-Fragebogen oder eine Verbesserung um 12 Prozent oder mehr in dem rückenschmerzspezifischen „Hanover Functional Ability“- Fragebogen an.

Doch um diese gute Wirkung zu erzielen, benötigte der Therapeut keine spezielle Fortbildung in TCM. Auch eine Scheinakupunktur, mit Einstichen an den „falschen“ Stellen und mit dem Verzicht auf spezielle Manipulationen der Nadeln zur Verstärkung des „Qi“, war ebenfalls äußerst effektiv. 44,2 Prozent von 387 Patienten und damit nicht signifikant weniger als bei der echten TCM-Akupunktur sprachen auf die Therapie an.

Für Studienleiter Michael Haake von der Universität Regensburg stellt sich deshalb die Frage, ob eine mühsame Fortbildung in der TCM wirklich notwendig ist, um ein erfolgreicher Akupunkteur zu sein. Die randomisierte kontrollierte Studie hat allerdings nicht untersucht, ob Akupunktur auch dann wirkt, wenn die Patienten wissen, dass der Arzt sie nicht ernsthaft betreibt. In der Studie waren alle Teilnehmer davon ausgegangen, dass sie die in Deutschland mittlerweile ungemein populäre Therapie erhalten. 

Erstaunlich ist das schlechte Abschneiden der konventionellen Therapie, dem dritten Arm der Studie. Hier erhielten 388 Patienten ein umfangreiches Programm von Medikamenten bis zur Ergotherapie. Doch nur 27,4 Prozent der Patienten, also absolut 20 Prozent weniger als bei der Akupunktur erzielten eine Besserung. Für die Autoren bleibt die Akupunktur deshalb, ungeachtet der unklaren Wirkungsmechanismen eine vielversprechende und wirksame Option in der Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Und die gute Akzeptanz, welche die Therapie seit der Bekanntgabe der Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vor drei Jahren hatte, scheint den Autoren in diesem Punkt Recht zu geben. © rme/aerzteblatt.de

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