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Medizin

Magenblutung durch SSRI plus NSAID

Dienstag, 9. Oktober 2007

Salem-Winston/North Carolina/Norwich – Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) können in seltenen Fällen obere gastrointestinalen Blutungen auslösen. Wenn die Patienten gleichzeitig nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) einnehmen, steigt das relative Risiko um mehr als das Sechsfache, warnen Pharmakologen in Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2007 doi: 10.1111/j.1365-2036.2007.03541.x)

Das Blutungsrisiko von SSRI ist bekannt. Die Fachinformationen raten auch zur Vorsicht bei der gleichzeitigen Einnahme von NSAID, die allein schon das Risiko von gastrointestinalen Blutungen erhöhen. Diese Ereignisse werden allerdings in den Fachinformationen als selten beschrieben, was Yoon Loke von der Wake Forest Universität in Salem-Winston/North Carolina und Kollegen der Universität von East Anglia in England bezweifeln.

Die Mediziner werteten die Daten von vier Beobachtungsstudien mit insgesamt 153.000 Patienten aus. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass das absolute Blutungsrisiko mit SSRI tatsächlich gering ist. Unter 411 Patienten, die ein Jahr lang mit einem SSRI behandelt werden, kommt es bei einem zu einer Blutung in Magen oder Duodenum. Diese Number-Needed-to-Harm sinkt jedoch auf 106, wenn die Patienten gleichzeitig ein NSAID einnehmen. Das relative Risiko war um den Faktor 6,33 (95-Prozent-Konfidenzintervall 3,40–11,8) erhöht. Für die alleinige SSRI-Therapie errechneten sie eine Odds Ratio von 2,36 (1,44–3,85).

Da die Indikationen für SSRI (Major-Depression) und NSAID (Schmerzen bei chronischen Entzündungen oder Arthrose) häufig sind, dürfte es viele Patienten geben, die beide Medikamente verordnet bekommen. Und wegen der Chronizität der Leiden erfolgt die Therapie dauerhaft, womit das kumulative Risiko steigt. Tatsächlich konnten die Forscher bei 101 Blutungen nach SSRI, die der Canadian Adverse Events Database oder der US-Arzneibehörde FDA gemeldet wurden, in zwei Drittel der Fälle eine gleichzeitige Einnahme von SSRI und NSAID nachweisen, was nach Ansicht der Pharmakologen klar für einen synergistischen Effekt bei der Induktion der gastrointestinalen Blutungen spricht.

Gefährdet seien keineswegs nur ältere Patienten: 38 Prozent der Blutungen seien bei Patienten unter 60 Jahre aufgetreten. Sie raten den Ärzten deshalb, vor der Verordnung von SSRI eine detaillierte Anamnese zu erheben und bei Patienten mit einem Magenulkus in der Vorgeschichte andere Antidepressiva zu erwägen. Ebenso könnten SSRI-Anwender bei Schmerzen auf andere Medikamente als NSAID ausweichen, etwa Paracetamol, wird Loke in der Pressemitteilung zitiert. In weiteren Studien wollen die Forscher jetzt herausfinden, ob das Risiko unter allen SSRI gleich stark erhöht ist. Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Probleme bei Paroxetin, Sertralin und Fluoxetin besonders häufig auftreten. © rme/aerzteblatt.de

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