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Medizin

USA: Genentech stoppt Verkauf von Avastin® an Augenärzte

Freitag, 12. Oktober 2007

San Francisco – Die US-Firma Genentech hat den Augenärzten des Landes in einem Brief mitgeteilt, dass sie ab Dezember nicht mehr das Medikament Avastin erhalten können, das zur Behandlung der fortgeschrittenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD) eingesetzt wird. Der Hersteller möchte, dass die Ophthalmologen auf das Medikament Lucentis ausweichen, das deutlich teurer ist.

Hintergrund: Avastin wurde für den Einsatz bei Krebserkrankungen entwickelt. Es enthält den Antikörper Bevacizumab, der die Bildung von neuen Blutgefäßen hemmt, was das Tumorwachstum bremst. Die Neubildung von Blutgefäßen ist jedoch auch ein Kennzeichen der fortgeschrittenen feuchten AMD. Bevacizumab ist in dieser Indikation wirksam, glaubt man den bisher publizierten Erfahrungsberichten zahlreicher Ophthalmologen. Es ist jedoch bisher keine größere randomisierte kontrollierte Studie in der Indikation AMD durchgeführt worden. Der Hersteller hat dies auch öffentlich abgelehnt.

Der Grund dürfte in der Einführung von Lucentis® liegen. Dieses Medikament hat die Roche-Tocher Genentech speziell zur Behandlung des feuchten AMD entwickelt. Es ist seit dem letzten Jahr in den USA und seit einigen Monaten auch in Deutschland (vertrieben von Novartis) zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen. Der Wirkstoff von Lucentis, Ranibizumab, ist eng mit dem Wirkstoff von Avastin, Bevacizumab, verwandt. Beide sind Inhibitoren des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors A (VEGF-A).

Ein wesentlicher Unterschied besteht im Preis. Lucentis kostet in Deutschland pro Injektion 1523,60 Euro. Die gleiche Menge Avastin ist für etwa 70 Euro erhältlich. Da die Dosis für das Kolorektalkarzinom sehr viel höher ist, muss der Klinikapotheker Avastin portionieren. Genentech weist jetzt auf das mögliche Risiko einer bakteriellen Kontamination hin. Tatsächlich war Ende letzten Jahres eine „compounding pharmacy“ von der FDA verwarnt worden.

Dennoch nutzten auch nach der Einführung von Lucentis viele US-Ophthalmologen die Möglichkeit zur Kostenersparnis, sicher auch auf Druck der Patienten hin, die vielfach die Kosten für die Medikamente aus eigener Tasche zahlen müssen.

In den USA soll jede zweite Behandlung der AMD mit Avastin statt mit Lucentis erfolgen. Der Hersteller versucht dies jetzt zu unterbinden, indem er die „compounding pharmacies“, die die Portionierung vornehmen, boykottiert. Diese sollen mit Wirkung ab 30. November kein Avastin mehr erhalten. Da die Onkologen, die Avastin einsetzen, die Medikamente direkt von den Großhändlern erhalten, könnte dieser Mechanismus greifen. Entsprechend groß ist die Empörung unter den Ophthalmologen – aber auch bei der Alterskasse Medicare, auf die nach Einschätzung von Beobachtern mehrere hundert Millionen Dollar Mehrkosten zukommen. 

Unterdessen hat das US-National Eye Institute angekündigt, eine Vergleichsstudie zu den beiden Medikamenten durchzuführen. Eine solche Studie hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) auch für Deutschland eingefordert. Finanziert werden könnte sie von den Krankenkassen oder aus Mitteln des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, heißt es in einer Pressemitteilung der DOG vom September. 

Während die DOG im letzten Jahr, als Lucentis noch nicht zugelassen war, Verständnis für den off-label-Einsatz von Bevacizumab zeigte, fordert sie mittlerweile, dass „die Behandlung zum Wohle der Patienten auf den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin“ beruhen müsse, weshalb „die Therapie mit einem Medikament erfolgen, dessen Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien für diese Indikation geprüft wurde.“ © rme/aerzteblatt.de

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