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Medizin

Parkinson: Kann Nikotin Dyskinesien nach L-Dopa mildern?

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Sunnyvale –  Könnte eine Nikotintherapie die Entstehung von Dyskinesien im Rahmen der L-Dopa-Behandlung des Morbus Parkinson abschwächen? Eine tierexperimentelle Studie in den Annals of Neurology (2007; doi: 10.1002/ana.21203) deutet darauf hin. Klinische Erfahrungen liegen jedoch noch nicht vor.

Das Striatum ist nicht nur das Ziel jener dopaminerger Neurone, deren Degeneration in der Substantia nigra die Ursache des Morbus Parkinson ist. Es gibt in diesem Teil der Basalganglien auch zahlreiche Neurone mit nikotinergen Acetylcholinrezeptoren. Wie beide miteinander vernetzt sind, ist unbekannt. Parkinsonforscher wie Maryka Quik und Mitarbeiter vom Parkinson Institute in Sunnyvale/Kalifornien sind jedoch überzeugt, dass eine Stimulation dieser Rezeptoren günstige Auswirkungen auf den Verlauf des Morbus Parkinson hat. Als Beleg führen sie epidemiologische Untersuchungen an, die in den letzten 40 Jahren immer wieder gezeigt hätten, dass Raucher zu 50 Prozent seltener an einem Morbus Parkinson erkranken. 

Um den therapeutischen Effekt einer Nikotingabe zu untersuchen, induzierten die Forscher bei Versuchstieren (Totenkopfaffen, Saimiri sciureus) durch die Gabe des Nervengifts MPTP einen Parkinsonismus, der dann mit L-Dopa behandelt wurde. Einem Teil der Tiere (im Coss-over-Design) wurde zusätzlich Nikotin ins Trinkwasser gegeben mit dem Ergebnis, dass die Rate der Dyskinesien, eine der am meisten gefürchteten Nebenwirkungen der langfristigen L-Dopa-Therapie, um 35 Prozent abnahm. Dabei hatte die Nikotingabe keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit von L-Dopa.

Ob die Therapie auch bei Menschen mit L-Dopa sinnvoll ist, bleibt abzuwarten. Zu bedenken ist, dass die tierexperimentellen Studien nur über einen Zeitraum von 8 Wochen durchgeführt wurden. Eine Begleitbehandlung mit Nikotinpflastern (oder anderen aus der Substitutionstherapie zur Raucherentwöhnung bekannten Formulierungen) müsste jedoch längerfristig erfolgen. Dabei kommt es dann rasch zu einer Desensitivierung der Nikotinrezeptoren, wie die Autoren selbst zu bedenken geben.

Art und Zeitpunkt der Applikation könnten deshalb darüber entscheiden, ob die Therapie langfristig erfolgreich ist. Klinische Studien wären deshalb sinnvoll, zumal es in der Medizin nicht selten ist, dass die Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien nicht auf den Menschen übertragbar sind. © rme/aerzteblatt.de

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