Politik

Union gegen Heroinvergabe an Schwerstabhängige durch Krankenkassen

Freitag, 23. November 2007

dpa

Berlin – Die Union stemmt sich gegen den Plan des Gesundheitsministeriums, die Therapien für Schwerstheroinabhängige von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlen zu lassen. Die Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Eichhorn (CSU), sagte am Freitag in Berlin, viele Fragen bei der Behandlung Opiatabhängiger seien ungeklärt. Es wäre daher unverantwortlich, die Versorgung in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. Stattdessen plädierte sie für einen neuen Modellversuch.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn warnte in der „Bild“-Zeitung vom Freitag vor unkalkulierbaren Zusatzkosten. Das Blatt bezifferte die Kosten für die Versorgung von Heroinsüchtigen mit dem Ersatzpräparat Diamorphin im Rahmen der Krankenkassen-Leistungen auf bis zu eine Milliarde Euro im Jahr. Laut Kassen und Ärzten könnten bis zu 70.000 Abhängige die Therapie beanspruchen. Jährlichen entstünden dadurch Kosten von 15.000 Euro pro Patient.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, wies die Zahlen als „falsch“ zurück. Es gehe nur um jene wenige tausend Süchtigen, die aus dem Teufelskreis von Abhängigkeit und Beschaffungskriminalität nicht mehr herauskämen. Fachleute rechnen mit 2.000 bis 3.000 Betroffenen bei jährlichen Kosten von 7.000 Euro pro Patient. Die Zusatzkosten würden sich damit auf 22 Millionen Euro belaufen. Die Mehrbelastung für jeden gesetzlichen Versicherten belaufe sich auf vier Cent im Monat und sei damit nicht beitragsrelevant, so Vater.

Der Bundesrat will die in sieben deutschen Großstädten erprobte Behandlung schwerstabhängiger Drogensüchtiger mit reinem Heroin - dem sogenannten Diamorphin - gesetzlich absichern. Die Länderkammer wandte sich im September mit einer entsprechenden Initiative an den Bundestag. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine Stellungnahme zu dem Bundesrats-Vorstoß. Demnach sollen im parlamentarischen Verfahren noch offene Fragen geklärt werden. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg räumte am Freitag ein, dass es zwischen den Ressorts unterschiedliche Ansichten gibt. © ddp/aerzteblatt.de

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