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Ärzteschaft

Bundes­ärzte­kammer: Krankenhäuser sind keine Fabriken

Dienstag, 27. November 2007

Berlin – Kritik am Krankenhausreport 2007 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) hat die Bundes­ärzte­kammer geübt. „Der Wunderglaube der Krankenkassen an die Wirkungen des Preiswettbewerbs, pseudowissenschaftlich hergeleitet aus dem Krankenhaus-Report 2007, folgt einem völlig falschen Leitbild, nämlich der Devise: Hauptsache billig, möglichst sogar Massenproduktion gesundheitlicher Dienstleistungen mit industriellen Prozessabläufen. Die Kranken werden dabei zum Werkstück am Fließband – das kann und das darf nicht im Interesse einer Krankenkasse liegen", so Rudolf Henke, Vorsitzender der Krankenhausgremien der BÄK.

Das WidO hatte am 23. November den diesjährigen Krankenhausreport veröffentlicht. Eine zentrale Aussage des Berichtes ist, dass mehr Wirtschaftlichkeit und Qualität möglich seien, wenn Einzelverträge mit Krankenhäusern zustande kämen. Krankenkassen könnten dann durch gezieltes Verhandeln in bestimmten Leistungsbereichen bessere Qualität bei geringeren Preisen erzielen. Dieser Wettbewerb mit Einzelverträgen sollte sich auf planbare, sogenannte elektive Leistungen beschränken. Die Sicherheit einer flächendeckenden Notfallversorgung bliebe davon unberührt. Im Wettbewerbsfeld der elektiven Leistungen hingegen sollten sich laut WidO die Planungsaufgaben der Länder zukünftig darauf beschränken sicherzustellen, dass die benötigten Leistungsmengen für eine adäquate Versorgung der Bevölkerung unter Vertrag genommen würden.

„Wenn die Kassen nicht mehr mit jedem Plankrankenhaus Verträge schließen, müssten Krankenhäuser sich umgekehrt der Aufnahme von Patienten verweigern können, deren Erkrankung in den Fallpauschalen mit einer für die Versorgung dieses Patienten nicht ausreichenden Vergütung angesetzt ist. Das würde das Ende der flächendeckenden Patientenversorgung in Deutschland herbeiführen“, argumentierte Henke.

Ein Preiswettbewerb durch Einzelverträge hätte daher ein „chaotisches Vertragsszenario“ zur Folge. „Es ist doch abzusehen, dass künftig deutlich mehr ältere und multimorbide Patienten in den Krankenhäusern behandelt werden müssen. Diese Patienten aber leiden nicht nur unter einer einzelnen, klar abgrenzbaren Erkrankung, sondern an einer Vielzahl von Krankheiten, die nicht selektiv behandelt werden können. Auf die Frage aber, wie unter solchen Bedingungen Qualität und Flächendeckung der Versorgung erhalten werden kann, bleiben die Kassen eine nachhaltige Antwort schuldig“, kritisierte der Krankenhausexperte. © hil/aerzteblatt.de

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