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WHO-Krebsbehörde stuft Nachtarbeit als krebserregend ein

Freitag, 30. November 2007

Paris – Nachtarbeit erhöht das Krebsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt das Internationale Krebs-Forschungszentrum (IARC) der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) nach der Auswertung zahlreicher Studien. Wechselnde Schichten mit Nachtarbeit würden vom IARC genauso als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wie gefährliche Substanzen wie Bleifarbe, ultraviolette Strahlen oder PCB, sagte IARC-Forscher Vincent Cogliano der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Die neue Risikobewertung basiert vorrangig auf der Untersuchung von Frauen, die nachts arbeiten.

„Nachtarbeit im Schichtdienst mit unregelmäßigen Arbeitsperioden“ bringe die biologische Uhr durcheinander und sei daher gesundheitsschädlich, erläutert Cogliano. Krankenschwestern und Stewardessen, die über lange Zeit immer wieder Nachtschichten arbeiten, haben demzufolge eindeutig ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Der Wissenschaftler weist gleichzeitig darauf hin, dass dieses Risiko von den Experten als „mäßig“ eingestuft werde. Aber, so fügt der Epidemiologe hinzu, „es ist ein reales Risiko“. 

Die Ergebnisse von Studien an Frauen stimmten mit Tierforschungen überein, denen zufolge ständige nächtliche Beleuchtung oder Uhrzeitverschiebungen wie beim „Jetlag“ das Auftreten von Tumoren begünstigt. Experten vermuten, dass die Gesundheitsschädigung durch Störungen des 24-Stunden-Rhythmus des Menschen ausgelöst wird.

Der Organismus funktioniert nach dem Wechselspiel von Tag und Nacht. Licht unterbricht die Produktion des Hormons Melatonin, das der Körper normalerweise nachts ausschüttet. Die Unterdrückung des Melatonins begünstigt demnach die Entstehung von Tumoren, während die Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus Gene durcheinanderbringt, die ebenfalls im Zusammenhang mit der Tumorentstehung stehen.

Dass Schlafentzug und Melatoninmangel das Immunsystem schwächten, sei schon vorher bekannt gewesen, sagte Cogliano. Einschränkend fügte er jedoch hinzu, dass die ausgewerteten Studien vorrangig Frauen beträfen und zusätzliche Informationen über Männer und Nachtarbeit noch fehlten. 

Außerdem seien gewisse Fehlerquoten nicht auszuschließen, da zum Beispiel Stewardessen auch mehr kosmischer Strahlung ausgesetzt seien. Dass bei Piloten nachweislich häufiger Prostatakrebs diagnostiziert werde als bei anderen Berufsgruppen, könne auch daran liegen, dass sie besonders gewissenhaft alle Vorsorgeuntersuchungen einhalten müssen. „Deshalb sind ergänzende Studien notwendig, um mögliche Risiken in anderen Berufsgruppen und vor allem bei Männern noch genauer zu untersuchen“, sagte der Wissenschaftler. © afp/aerzteblatt.de

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