NewsPolitikBundesregierung hat Vorbehalte gegenüber anonymen Geburten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesregierung hat Vorbehalte gegenüber anonymen Geburten

Montag, 3. Dezember 2007

Bislang sind 143 Kinder in Babyklappen abgegeben worden /ddp

Berlin – Die Bundesregierung hat deutliche Vorbehalte gegenüber anonymen Geburten geäußert. Bisher seien noch nicht alle Erfahrungen ausgewertet, heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Große Anfrage der FDP, die am Montag bekannt wurde. Darin betonte die Regierung aber zugleich, dass nach derzeitiger Einschätzung „eine in das alleinige Ermessen der Mutter gestellte (Nicht-)Preisgabe ihrer Identität problematisch sein“ dürfte.

Zur Frage der Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung von anonymen oder geheimen beziehungsweise vertraulichen Geburten wollte sich die Regierung noch nicht äußeren. Allerdings werde „dem Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft durch eine vertrauliche Geburt besser Rechnung getragen“. Eine anonyme Geburt sollte demnach nur in Ausnahmefällen möglich sein. So würde ein Stufenmodell, das die Anonymität der Mutter nur bei Gefahr für Leib oder Leben von Kind oder Mutter vorsieht, „das verfassungsrechtlich garantierte Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung besser zu Geltung bringen“.

Nach Regierungsangaben registrierten die Länder bislang 143 Kinder aus Babyklappen und 94 anonyme Geburten. Allerdings sind die Zahlen unvollständig, da mehrere Länder sie entweder überhaupt nicht erfassen oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten damit begonnen haben.

Anonyme Geburt und Babyklappe sollen verhindern, dass Mütter ihre Kinder aufgrund einer Notlage oder Konfliktsituation aussetzen oder töten. Eine Rechtsgrundlage dafür fehlt. Kritiker betonen das Recht des Kindes auf seine Herkunft und befürchten, dass derartige Angebote die eigentlichen Adressaten nicht erreichen, sondern neue Konflikte schaffen.

Bisherige Gesetzesinitiativen zur Regelung der anonymen oder vertraulichen Geburt sind bisher nicht zu einem parlamentarischen Abschluss gekommen. Union und SPD vereinbarten im Koalitionsvertrag, die Erfahrungen mit der anonymen Geburt auszuwerten und - soweit notwendig - gesetzlich zu regeln. Die Diskussion um die anonyme Geburt begann mit der Eröffnung der ersten Babyklappe im Jahr 2000 in Hamburg. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2019
Halle – Nur wenige Frauen in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt genutzt. Nach Zahlen des Landesverwaltungsamts in Halle kamen 2018 sechs Babys auf
Kaum vertrauliche Geburten in Sachsen-Anhalt
14. Mai 2019
Berlin – Seit Mai 2014 können Schwangere in Not, die ihr Kind anonym zur Welt bringen wollen, mit medizinischer Hilfe entbinden. Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) zog heute eine positive
Giffey wertet Gesetz zur vertraulichen Geburt als Erfolg
13. Mai 2019
Berlin – Seit der Einführung der vertraulichen Geburt vor fünf Jahren sind bundesweit 570 Kinder auf diesem Wege zur Welt gekommen. Das geht aus einer Analyse des Bundesfamilienministeriums hervor,
Vertrauliche Geburt 570-mal genutzt
23. Januar 2019
Erfurt – Noch immer entscheiden sich nur sehr wenige Frauen in Thüringen für eine anonyme Geburt. 2018 gab es – wie auch schon im Vorjahr – zwei anonyme Geburten im Freistaat, wie ein Sprecher des
Zwei anonyme Geburten in Thüringen im vergangenen Jahr
13. November 2018
Hannover/Bremen – 70 Neugeborene sind bisher in die sechs Babykörbchen in Niedersachsen und Bremen anonym gelegt worden. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die die Träger mitteilten. Die
Bisher 70 Säuglinge in Babykörbchen in Niedersachsen und Bremen
10. Oktober 2018
Hamburg – Erst ein Neugeborenes ist in diesem Jahr in einer Babyklappe in Hamburg abgegeben worden. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bürgerschaftsfraktion hervor. Auch im
Anzahl der in Babyklappen abgegebenen Kinder in Hamburg rückläufig
16. April 2018
München – In Bayern sind bisher mindestens 39 Kinder bei vertraulichen Geburten zur Welt gekommen. Dies hat das bayerische Sozialministerium mitgeteilt. 2017 gab es 14 vertrauliche Geburten. Das sind
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER