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Medizin

Multiple Sklerose: Antibiotika verbessern möglicherweise die Wirkung von Interferonen

Dienstag, 11. Dezember 2007

Shreveport –  Die Kombination von Beta-Interferon mit dem Antibiotikum Doxycyclin könnte einer Publikation in den Archives of Neurology (2008; doi:10.1001/archneurol.2007.41) zufolge bei Patienten mit schubförmig verlaufender multipler Sklerose den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Obwohl Interferone heute zur Standardtherapie der multiplen Sklerose gehören, können sie neue Schübe oftmals nicht verhindern. Jeder Schub geht mit neuen Läsionen im Gehirn und in der Regel mit neuen neurologischen Ausfällen einher. Die hoch dosierte Steroidbehandlung im Schub kann dies nicht verhindern. Es werden deshalb dringend neue Behandlungsansätze benötigt. Diese könnten darin bestehen, den für die Autoimmunreaktion verantwortlichen Leukozyten den Eintritt in das Hirnparenchym zu verwehren. Ein High-Tech-Ansatz versucht dies mit monoklonalen Antikörpern wie Natalizumab. Dieses Medikament hemmt Adhäsionsmoleküle auf den Leukozyten, sodass diese nicht an den Gefäßwänden haften können.

Ein anderer Ansatz sind Hemmstoffe, die den Durchtritt der Leukozyten durch die Basalmembranen, die alle Blutgefäße umgeben, verhindern. Leukozyten überwinden diese Hürde mithilfe von speziellen Enzymen, den Matrix-Metalloproteinasen (MMP). Zu den Wirkstoffen, welche MMP inhibieren, gehören nicht nur hochpreisige „Designer-Medikamente“, sondern auch einige Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, die seit vielen Jahren zugelassen und deshalb kostengünstig sind und deren Sicherheitsprofil bekannt ist. In-vitro-Experimente, in denen Doxycyclin die Aktivität von MMP in Endothelien unterdrückte, haben deshalb die Aufmerksamkeit von Neurologen geweckt, die Patienten mit multipler Sklerose behandeln.

Zu ihnen gehört auch Alireza Minagar von der Louisiana State University in Shreveport. Dort wurden in den letzten Monaten 15 Patienten (Durchschnittsalter 44,5 Jahre) mit rezidivierend-remittierender multipler Sklerose (seit durchschnittlich 4 Jahren) zusätzlich mit Doxycyclin behandelt. Alle Patienten waren vorher über mindestens 6 Monate mit Interferon beta1a behandelt worden, was einen neuen Schub jedoch nicht verhinderte. Nach dem Schub wurden die Interferontherapien wieder aufgenommen.


Dieses Mal wurden sie aber mit einer dauerhaften oralen Therapie mit Doxycyclin kombiniert. Dies verhinderte in den ersten vier Monaten bei 14 von 15 Patienten einen neuen Schub, was aber angesichts der unvorhersehbaren Schübe bei der multiplen Sklerose nicht viel bedeuten muss. Bemerkenswerter ist, dass es bei vielen Patienten zu einem Rückgang der bestehenden Läsionen in der Kernspintomografie (MRT) von vorher median 8,8 Läsionen pro MRT-Bild auf 4,0 kam. Dieser Rückgang korrelierte mit Ergebnissen eines In-vitro-Tests. Die Forscher gaben Blutserum der Patienten auf Zellkulturen aus Hirnendothelien, die nicht von den Patienten stammten und stellten fest, dass das Serum der Patienten mit einem Rückgang in den MRT-Läsionen die Migration von Monozyten in dem In-vitro-Test besonders gut hemmte.

Minagar ist sich bewusst, dass eine offene Studie an einer kleinen Kohorte, die über einen für MS-Verhältnisse kurzen Zeitraum behandelt wurden, keinerlei Beweiskraft hat. Der Neurologe fordert deshalb eine randomisierte kontrollierte Studie an einer größeren Gruppe von Patienten. Dass die Autoren mit ihrer Untersuchung an die breite Öffentlichkeit gingen – die Vorweg-Publikation wurde von einer Pressemitteilung begleitet – könnte die Durchführung einer solchen Studie allerdings erschweren.

Denn es dürfte viele Patienten geben, die ihre Ärzte zu dieser preisgünstigen und sicheren Therapie drängen werden. Ob die langfristige Therapie mit Doxycyclin jedoch auf Dauer ohne Nebenwirkungen bleibt, wäre ebenfalls noch zu belegen. In der Studie berichteten 5 Patienten, wahrscheinlich als Folge der Doxycyclintherapie, über Nausea, 2 über Erbrechen, 6 über Diarrhö und 2 über Sodbrennen. © rme/aerzteblatt.de

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