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Medizin

Pestizide als Asthmarisiko?

Mittwoch, 2. Januar 2008

Research Triangle Park – Amerikanische Farmersfrauen, die häufig mit Pestiziden hantieren, hatten in einer Querschnittsstudie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2008; 177: 11-18) ein signifikant erhöhtes Risiko auf ein allergisches Asthma. 

In der Agricultural Health  Study geht das US-National Cancer Institute seit 1994 der Frage nach, warum in der Landwirtschaft Beschäftigte häufiger als andere Menschen an bestimmten Formen von Leukämien, Lymphomen und Karzinomen erkranken. Auch einige neurologische Erkrankungen oder Störungen der Fruchtbarkeit scheinen durch das Landleben begünstigt zu werden.

Zu den diskutierten möglichen Auslösern zählen Pestizide, die auch Gegenstand einer Auswertung von Jane Hoppin vom National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park/North Carolina waren. Die Epidemiologin wertete Fragebögen aus, in denen 25.814 Farmersfrauen neben Angaben zu allergischen Erkrankungen auch Auskunft über eine Exposition mit Pestiziden gemacht hatten. 

Zunächst einmal bestätigte die Studie, dass Landluft vor Asthma schützt, was Allergologen auf die Exposition mit Allergenen in der frühen Kindheit zurückführen. In der Studie litten die Frauen, die seit ihrer Kindheit auf dem Lande lebten, als Erwachsene zu 45 Prozent seltener an allergischem Asthma (Odds Ratio 0,55; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,43-0,70) und zu 17 Prozent seltener an nicht-allergischem Asthma (Odds Ratio 0,68-1,02).

Noch besser waren Frauen geschützt, die auf dem Lande groß geworden waren, aber als Erwachsene nicht mit Pestiziden exponiert waren. Diese Frauen erkrankten zu 59 Prozent seltener an allergischem Asthma (Odds Ratio 0,41; 0,27-0,62). Auf der anderen Seite erhöhte eine Pestizidexposition das Risiko des allergischen Asthmas um 46 Prozent (Odds Ratio 1,46; 1,14-1,87).

Am höchsten war das Risiko nach Verwendung von Parathion, das nach Angabe der Autorin das Risiko des allergischen Asthmas verdreifachte. Malathion, das vor allem als Insektizid eingesetzt wird, erhöhte die Prävalenz des allergischen Asthmas um 60 Prozent. Insgesamt waren 7 von 16 Insektiziden, 2 von 11 Herbiziden und 1 von 4 Fungiziden signifikant mit einem allergischem Asthma assoziiert. Für das nicht allergische Asthma wurde einzig für Permethrin ein signifikanter Zusammenhang gefunden. 

Trotz der auf den ersten Blick eindeutig erscheinenden Daten bleibt Hoppin in der Bewertung zurückhaltend. Es handele sich um eine Querschnittsstudie, die eine Kausalität nicht belegen könne. Denkbar ist beispielsweise, dass Farmerinnen, die an einem allergischen Asthma leiden, ein erhöhtes Reinlichkeitsbewusstsein entwickeln und häufiger versuchen, Schimmelpilze oder andere Allergenen durch den Einsatz von Pestiziden zu eliminieren. Im nächsten Schritt ist eine prospektive Studie geplant, die einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Exposition und einer späteren Erkrankung untersuchen soll. © rme/aerzteblatt.de

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