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Medizin

Brustkrebs: Mikro-RNA können Metastasen verhindern

Donnerstag, 10. Januar 2008

New York – US-Forscher haben in Brustkrebszellen Moleküle entdeckt, welche die Bildung von Metastasen in Lunge und Knochen unterdrücken. Ob die Erkenntnis in Nature (2008; 451: 147-152) die Diagnostik verbessert oder sogar zu neuen Therapieansätzen führen wird, lässt sich noch nicht absehen.

Die Metastasierung ist nach heutigem Kenntnisstand kein zufälliges Nebenprodukt des Krebswachstums, bei dem Zellen von der Oberfläche von Krebsgeschwüren abschilfern, um von Blut und Lymphe fortgespült an anderer Stelle hängen zu bleiben. Die Bildung von Metastasen ist vielmehr eine gezielte Leistung des Tumors, die Zellen befähigt, sich vom Zellverband zu lösen, um nach einer hämatogenen oder lymphogenen Streuung aktiv ins Gewebe einzudringen, wenn sie Tochtergeschwülste bilden. 

Auf der Suche nach den Regulatoren dieser Metastasierung sind die Forscher in den letzten Jahren auf eine Reihe von Mikro-RNAs gestoßen. Das sind kleine RNA-Moleküle, die in winzigen Mengen im Zellkern vorhanden sind, dort aber große Auswirkungen auf die Aktivität bestimmter Gene haben. Einige dieser Moleküle scheinen in der normalen Zelle die Bildung von Metastasen zu verhindern.

Dazu gehören auch miR-126 und miR-335. Joan Massagué vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York City und Mitarbeiter haben herausgefunden, dass diese beiden Mikro-RNAs verloren gehen, wenn Krebserkrankungen die Fähigkeit zur Metastasierung erwerben. Wurde miR-126 wieder in die Zelle integriert, bremste dies das Tumorwachstum, während miR-335 die Fähigkeit zur Metastasierung unterdrückte.

Dass diese molekularen Prozesse von klinischer Bedeutung sein könnten, zeigt die Untersuchung von archivierten Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen. Waren die Mikro-RNA in den Proben nachweisbar, verbesserten sich die langfristigen Überlebenschancen der Patientinnen. Dies deutet auf eine mögliche prognostische Bedeutung der Mikro-RNA hin, deren klinischer Wert sicherlich noch in prospektiven Kohorten zu belegen wäre. 

Die Forscher haben auch herausgefunden, wie miR-335 die Metastasierung unterdrückt: Über den Transkriptionsfaktor SOX4 wird die Tendenz zur Metastasierung unterdrückt, während die Migration der Tumorzellen im Gewebe mit der Bildung von Tenascin-C n Verbindung steht. Aus der näheren Aufklärung der Stoffwechselwege könnten auf lange Sicht durchaus neue Absätze zur Behandlung von Krebserkrankungen ergeben. © rme/aerzteblatt.de

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