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Medizin

Darmkrebsprävention: ASS schützt nur in hohen Dosierungen

Montag, 28. Januar 2008

Boston – Männer, die regelmäßig Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen, erkranken nach einer Auswertung der Health Professionals Follow-up Study seltener an Darmkrebs. Eine präventive Wirkung tritt laut Publikation in Gastroenterology (2008; 134: 21-28) aber erst in einer hohen Dosierung auf, die wegen der damit verbundenen Risiken nach Ansicht der American Gastroenterological Association nicht empfohlen werden kann.

An der Health Professionals Follow-up Study beteiligen sich seit 1986 mehr als 50.000 Männer aus nicht humanmedizinischen Disziplinen. Die Zahnärzte, Apotheker, Optiker, Osteopathen und Fußpfleger werden regelmäßig untersucht und befragt. Gut ein Drittel gab an, mehr oder weniger regelmäßig ASS einzunehmen. ASS erfreut  sich in den USA sehr großer Beliebtheit. Viele Menschen sind der festen Überzeugung, dass die regelmäßige Einnahme vor vielen Erkrankungen schützt. Zu den ernsthaft diskutierten präventiven Wirkungen zählt der Schutz vor Darmkrebs.

Bisher sind 975 Darmkrebserkrankungen unter den Health Professionals aufgetreten und zwar tatsächlich häufiger unter den Nicht-Anwendern von ASS. Nach den Berechnungen von Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston gibt es sogar eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die in epidemiologischen Untersuchungen immer ein starker Hinweis auf eine Kausalität ist.
Die Bandbreite reicht von einer 6-prozentigen relativen Risikoreduktion bei Einnahme von 0,5 bis 1,5 Standarddosierungen pro Woche (1 Standarddosierung 325 mg ASS) bis zu 70 Prozent bei Einnahme von mehr als 14 Standarddosierungen pro Woche. Solch hohe Dosierungen werden gelegentlich bei schweren entzündlichen Gelenkbeschwerden  verordnet, bei denen das erhöhte Risiko von Magendarmblutungen in Kauf genommen wird.

ASS in dieser Menge nur zur Prävention von Darmkrebs einzunehmen, erscheint Chan und auch der American Gastroenterological Association in der Regel nicht angebracht zu sein. Zu bedenken ist auch, dass eine Beobachtungsstudie keinen abschließenden Beweis liefert. Hinzu kommt, dass in zwei anderen größeren Beobachtungsstudien, der Physicians’ Health Study und der Women’s Health Study keine protektive Wirkung gefunden wurde. © rme/aerzteblatt.de

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