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Medizin

Morbus Alzheimer: Hirnschrittmacher fördert Lernfähigkeit

Mittwoch, 30. Januar 2008

Toronto – Die Tiefenhirnstimulation des Hippocampus förderte bei einem Patienten alte Erinnerungen zutage. In neurophysiologischen Tests war auch die Lernfähigkeit deutlich verbessert, wie kanadische Neurologen in den Annals of Neurology (2008; 63: 119-123) berichten. Sie haben jetzt eine Pilotstudie bei Patienten mit Morbus Alzheimer begonnen.

Die Tiefenhirnstimulation (vulgo: Hirnschrittmacher) wird derzeit vor allem bei Patienten mit Morbus Parkinson eingesetzt. Durch die Stimulation von Elektroden, deren Spitze in die Basalganglien vorgeschoben wird, können die Bewegungsstörungen gelindert werden. Die Erfolge mit diesem Therapieansatz haben dazu geführt, dass die Tiefenhirnstimulation derzeit auch bei anderen Erkrankungen evaluiert wird. Dazu gehört auch die morbide Adipositas.

In Tierexperimenten lässt sich nämlich durch Stimulation des Hippocampus die Nahrungsaufnahme verringern. Dies probierte die Gruppe um Andres Lozano von der Universität Toronto deshalb bei einem 50-jährigen Patienten, der 190 kg auf die Waage brachte und bei dem sämtliche früheren Versuche zur Gewichtsreduktion gescheitert waren. Eine Elektrode sollte in ein Sättigungszentrum vorgeschoben werden, das die Forscher im Bereich des Hippocampus vermuten. Sie scheinen dieses jedoch verfehlt zu haben, denn die Stimulierung machte den Patienten nicht satt. Sie rief aber intensive “déjà-vu”-Erlebnisse wach.

Der Patient erinnerte sich lebhaft an ein Treffen mit Freunden im Park, das vor 20 Jahren stattgefunden hatte. Und je mehr die Neurologen die Impulse verstärkten, desto klarer und detaillierter wurden die Erinnerungen, die der Patient als angenehm empfunden haben soll. Die Forscher wiederholten das Experiment. Dieses Mal unter Doppelblind-Bedingungen.

Wieder wurden bei dem Patienten alte Erinnerungen wachgerufen, wenn die in den Hippocampus vorgeschobene Elektrode elektrische Impulse aussandte. Im EEG wurde erkennbar, dass die Impulse über den Fornix, ein prominentes bogenförmiges Nervenfaserbündel, vom Hippocampus zum Hypothalamus fortgeleitet wurden. Der Fornix ist Teil des limbischen Systems, das an der Verarbeitung von Gefühlen und intellektuellen Leistungen beteiligt ist. 

Der Patient ist längst aus der Klinik entlassen und noch immer gelingt es, wie Lozano versichert, durch das Anschalten der Elektroden, alte Erinnerungen zu wecken. Auch die intellektuellen Leistungen des Patienten sollen sich verbessert haben. Nach drei Wochen einer kontinuierlichen Stimulierung beeindruckte der Patient die Ärzte durch signifikant gesteigerte Leistungen in zwei Lerntests. Das Kurzzeitgedächtnis hatte sich ebenfalls verbessert. Ob es sich um einen Einzelfall handelt, soll jetzt eine erste Pilotstudie zeigen, für welche die Neurologen seit März letzten Jahres sechs Patienten mit Morbus Alzheimer rekrutiert haben. Ergebnisse dieser Studie liegen allerdings noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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