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Medizin

Rote Beete senkt Blutdruck

Mittwoch, 6. Februar 2008

London – Nitratreiche Nahrungsmittel können, nach Umwandlung zu Stickoxid, den Blutdruck senken. In einer Studie in Hypertension (2008, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.107.103523) erzielte ein halber Liter Rote-Beete-Saft eine antihypertensive Wirkung, die durchaus mit der von Medikamenten vergleichbar ist.

Dass Stickoxid (NO) in den Blutgefäßen ein wichtiger Vasodilatator ist, ist lange bekannt (Nobelpreis 1998). Seine blutdrucksenkende Wirkung wird bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie genutzt und auch die antianginöse Wirkung wird von Nitropräparaten durch NO vermittelt. Eine weitere Quelle von NO sind, wenn auch indirekt nitrathaltige Nahrungsmittel, zu denen beispielsweise Rote Beete gehört.

Rote Beete enthält zwar kein Stickoxid, wohl aber Nitrate. Diese können von Bakterien, die im Speichel vorhanden sind, in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit gelangt mit dem Speichel in den Magen, wo es entweder in Stickoxid umgewandelt oder als Nitrit resorbiert wird. Das resorbierte Nitrit gelangt in die Endothelien, die durch Freisetzung von Stickoxid die Blutgefäße relaxieren. So lautete die Arbeitshypothese der Arbeitsgruppe um Amrita Ahluwalia vom Londoner Queen Mary Hospital.

Um sie zu prüfen, gab sie gesunden Freiwilligen einen halben Liter Rote-Beete-Saft zu trinken. Drei Stunden später war der systolische Blutdruck um 10,4 mm Hg und der diastolische Blutdruck um 8 mm Hg gefallen. Diese blutdrucksenkende Wirkung fiel mit der Spitzenkonzentrationen von Nitrit im Blut zusammen. Der Rote-Beete-Saft besserte auch die Endothelfunktion. Sie wurde in einem Test bestimmt, der das Ausmaß der Vasodilatation in der Art. brachialis nach einer kurzzeitigen Unterbrechung der Durchblutung mit einer Blutduckmanschette misst. Bei Hypertonikern ist die Vasodilatation gestört, Rote-Beete-Saft verbessert das Testergebnis.

Die Wirkung des Rote-Beete-Saftes wurde verhindert, wenn die Probanden den Speichel nicht herunter schluckten. Dies verhinderte die “enterosalivarische” Konversion von Nitrat zu Stickoxid. Die Experimente belegen damit schlüssig, dass die blutdrucksenkende Wirkung auf den Nitratgehalt der Roten Beete zurückzuführen ist.

Die British Heart Foundation lobt die Studie, die im Detail untersucht habe, wie Nahrungsmittel den Blutdruck senken. Im letzten Jahr hatte dies eine deutsche Arbeitsgruppe für dunkle Schokolade gezeigt, die – allerdings über einen anderen Wirkungsmechanismus – den Blutdruck senkt. Damals wurde zu bedenken gegeben, dass die Nachteile der hochkalorischen Schokolade die positiven Wirkungen infrage stelle.

Dieses Mal wendet die British Heart Foundation ein, dass die Idee, den Blutdruck durch Trinken eines halben Liters Rote Beete nicht allen Hypertonikern schmecken dürfte. Sie empfahl den Hypertoniker eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und die weitere Einnahme ihrer Medikamente. © rme/aerzteblatt.de

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