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Politik

Mediziner wollen aus Behandlungsfehlern besser lernen

Donnerstag, 28. Februar 2008

Berlin – Ärzte und Pflegende im deutschen Gesundheitswesen streben einen besseren Umgang mit Behandlungsfehlern an. Dazu startete das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ am Donnerstag in Berlin eine Kampagne unter dem Motto „Aus Fehlern lernen“. Dazu gibt es eine gleichnamige Broschüre, in der bekannte Ärzte und Pflegekräfte über eigene Fehler berichten. 

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sagte, er sehe in der Publikation die Chance, „die Stimmung in Deutschland zu verändern“. Früher hätte das Eingeständnis von Fehlern persönliche Konsequenzen, wie Reputationsverlust in der Ärzteschaft, mit sich gebracht. Die Offenlegung und das Lernen aus Fehlern könnten aber zu einer „Fehlervermeidungskultur“ führen. „Nicht wer ist schuld, sondern was ist schuld“, sei die entscheidende Frage.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) befürwortet einen offenen Umgang der Ärzteschaft mit Behandlungsfehlern. „Es gehört Mut dazu, sich öffentlich zu Fehlern zu bekennen“, sagte Schmidt. Nur wenn Fehler benannt würden, könnten sie auch behoben werden.

Der Vorsitzende des Bündnisses Patientensicherheit, Matthias Schrappe, forderte einen offenen Umgang mit Behandlungsfehlern. „Nur, wenn wir über Fehler sprechen, können wir sie verhindern“, sagte er. Deutschland habe zwar ein gutes Gesundheitssystem, aber man wolle sich weiter verbessern. Etwa 500.000 Patienten infizierten sich pro Jahr in Deutschlands Krankenhäusern durch mangelnde Hygiene, teilte Schrappe mit. Zu einem der gravierenden Behandlungsfehler bei Operationen, einer Rechts-Links-Verwechslung, komme es rund 100 Mal im Jahr.

Der AOK-Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Ahrens sieht in der Broschüre das Zeichen eines „Mentalitätswandels“. Die aus der Fehleranalyse folgende Qualitätsverbesserung sei dringend notwendig. Durch Kunstfehler stürben mehr Menschen als im Straßenverkehr, sagte Ahrens. 10.000 Versicherte pro Jahr würden sich wegen des Verdachts auf fehlerhafte Behandlung an die AOK wenden.

In der Publikation „Aus Fehlern lernen“, die das Aktionsbündnis Patientensicherheit erarbeitet hat, schildern 17 Autoren aus ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Berufen Situationen, in denen ihnen Fehler unterlaufen sind. Sie legen dar, was sie selbst aus den Fehlern gelernt haben und inwieweit andere daraus lernen können. In einem Methodenteil analysieren sie die Behandlungsfehler systematisch.

In dem Bündnis arbeiten seit 2005 Akteure und Verantwortungsträger im Gesundheitswesen mit dem Ziel zusammen, die Sicherheit der Gesundheitsversorgung zu erhöhen. © ddp/kna/hil/aerzteblatt.de

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