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Medizin

Studie: Vitamin E erhöht Krebsrisiko bei Rauchern

Montag, 3. März 2008

Seattle – Antioxidative Vitamine können Raucher nicht vor einem Bronchialkarzinom schützen. In einer prospektiven Kohortenstudie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (AJRCCM 2008; 177: 524-530) war die Einnahme von Vitamin E sogar mit einer erhöhten Rate von Lungenkrebs assoziiert.

Seit der Beta-Carotene Cancer Prevention (ATBC)-Studie haben Vitamine bei Krebsforschern ihre Unschuld verloren. Während große Teile der Bevölkerung den Vitaminen nach wie vor positive Eigenschaften zuschreiben, kam die ATBC-Studie 1994 zu dem Ergebnis, dass Betacaroten das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erhöht, was zwei Jahre später die Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial (CARET) bestätigte. Die beiden randomisierten kontrollierten Studien hatten unter anderem zur Folge, dass die Einnahme von Betacarotin heute bei Rauchern kontraindiziert ist. 

Jetzt weisen die Ergebnisse der VITamins And Lifestyle (VITAL)-Studie für ein anderes Vitamin in eine ähnliche Richtung. Zwischen 2000 und 2002 wurden im US-Staat Washington 77.126 Männer und Frauen im Alter zwischen 50 und 76 Jahren nach ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt. Zwei Drittel gaben damals an, Multivitamine einzunehmen.

Die meisten Präparate enthielten Vitamin E, das 46 Prozent aller Befragten einnahmen. Sollten sie gehofft haben, dass sie dies vor Krankheiten und insbesondere vor Krebs schützt, dann muss die Analyse von Christopher Slatore von der Universität Seattle und Mitarbeiter sie enttäuschen. 

Denn unter den 521 Teilnehmern der VITAL-Studie, die innerhalb der vierjährigen Nachbeobachtung im US-Krebsregister SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) wegen eines Bronchialkarzinoms erfasst wurden, waren solche, die Vitamin E eingenommen hatten, überrepräsentiert. Slatore errechnet eine Hazard Ratio von 1,05 für eine Dosiserhöhung von 100-mg/die. Bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00-1,09 war die Assoziation grenzwertig signifikant (p = 0,033).

Für die Gesamtzahl der Teilnehmer ist die Assoziation zwischen Vitamin E und Lungenkrebs statistisch nicht ganz eindeutig. In der Untergruppe der Raucher war dies jedoch anders. Hier ermittelt Slatore einen über jeden statistischen Zweifel erhabenen Anstieg des Risikos um elf Prozent pro 100mg/die Vitamin E (Hazard Ratio 1,11; 1,03-1,19; p < 0,01), wobei dies vor allem auf vermehrte nicht kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC) zurückzuführen war (Hazard Ratio 1,07; 1,02–1,12; p = 0,004). Für Multivitamine und Vitamin C wurde keine Assoziation gefunden. 

Viele Vitamin E-Kapseln enthalten 400 mg (manche sogar wesentlich mehr). Diese Dosis über zehn Jahre eingenommen, geht laut Slatore mit einem um 28 Prozent erhöhten Lungenkrebsrisiko einher. Zwar kann die VITAL-Studie als Beobachtungsstudie nicht den gleichen Evidenzgrad beanspruchen wie die randomisierten kontrollierten Studien ATBC und CARET. Die Bewertung von Slatore fällt deshalb zurückhaltend aus. Die Ärzte sollten ihren Patienten (und hier vor allem den Rauchern) aber klar sagen, dass von der Einnahme von Vitamin E keine Vorteile zu erwarten seien.

Statt zu Vitaminen zu greifen, sollten sie sich lieber gesund ernähren, rät der Editorialist Tim Byers von der Universität in Aurora/Colorado (AJRCCM 2008 177: 470-471). Er weist darauf hin, dass der World Cancer Research Fund und die American Cancer Society wenigstens zwei Portionen Obst pro Tag empfehlen, was nach einer früheren Untersuchung das Krebsrisiko um 20 Prozent senke. Obst enthalte neben Vitaminen noch hunderte anderer Substanzen, die eine krebspräventive Wirkung erklären könnten, schreibt Byers. Die möglichen Risiken von Vitaminpräparaten stünden deshalb nicht mit den Vorteilen einer gesunden Ernährung im Widerspruch. © rme/aerzteblatt.de

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