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Medizin

Studie: Arzneimittel für drei Prozent aller Todesfälle verantwortlich

Dienstag, 18. März 2008

Linköping – Arzneimittelreaktionen sind in Schweden die siebthäufigste Todesursache. Nach einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im British Journal of Clinical Pharmacology (2008; 65: 573-579) sind nicht drei Prozent aller Todesfälle auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. In zwei Drittel der Fälle sind Blutungen die Todesursache.

Schon die Merseyside-Studie (benannt nach dem Großraum Liverpool) hatte ergeben, dass mehr als fünf Prozent aller Klinikeinweisungen die Folge von Arzneimittelreaktionen sind (BMJ 2004; 329: 15-19). Damals betrug die Sterblichkeit jedoch nur 0,15 Prozent. Man durfte hoffen, dass die meisten Zwischenfälle glimpflich ausgehen. Die neue Studie der Arbeitsgruppe um Anna Jönsson von der Universität Linköping kommt in diesem Punkt zu einem deutlich ungünstigeren Ergebnis. 

Die Forscher haben sich nicht, wie in früheren Studien, auf die Angaben in den Todesbescheinigungen verlassen, die in diesem Punkt offenbar besonders unzuverlässig sind. Sie analysierten vielmehr jeden siebten Todesfall, der im Jahr 2001 in drei Bezirken in Schweden aufgetreten war. Zwei Apotheker und ein klinischer Pharmakologe gingen die Krankenakten der Patienten durch und sammelten Verdachtsfälle, die dann von einem anderen klinischen Pharmakologen und einem forensischen Pathologen noch einmal überprüft wurden. 

Das Ergebnis: Bei 49 der 1.574 untersuchten Todesfälle (3,1 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,2-4,0 Prozent) bestand der Verdacht, dass eine tödliche Arzneimittelnebenwirkung (fatal adverse drug reactions FADR) vorlag. Die häufigsten FADR waren gastrointestinale Blutungen (n = 18; 37 Prozent) und Hirnblutungen (n = 14; 29 Prozent), gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (n = 5; 10 Prozent) und anderen Blutungen (n = 4; 8 Prozent) sowie einem Nierenversagen (n = 3; 6 Prozent).

Die am häufigsten verwendeten Medikamente, deren Einnahme zur FADR führte, enthielten antithrombotische Wirkstoffe (n = 31; 63 Prozent), gefolgt von nonsteroidalen Antiphlogistika (NSAID; n = 9; 18 Prozent), dann Antidepressiva (n = 7; 14 Prozent) und Herzkreislaufmedikamente (n = 4; 8 Prozent). Unter den 639 Todesfällen, die sich im Krankenhaus ereigneten, wurden 41 (6,4 Prozent; 4,5-8,3 Prozent) auf FADR zurückgeführt.

Die Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass alle Patienten heute noch am Leben wären, wenn sie die Medikamente nicht eingenommen hätten. Bei einigen Medikamenten ist eine lebensverlängernde Wirkung bekannt (zum Beispiel Antikoagulanzien). Bei anderen müssten die Patienten zusätzliche Leiden ertragen, wenn sie nicht behandelt würden (zum Beispiel NSAID). Doch der Anteil der vermeidbaren Todesfälle  dürfte hoch sein. Jönsson schätzt ihn auf 18 und 70 Prozent.

Ganz sicher dürfte es sich nicht um ein regionales Problem in Schweden handeln. Eine Ursache sieht James Ritter, der Chefredakteur des British Journal of Clinical Pharmacology in der schlechten Ausbildung der Ärzte in seinem Fachgebiet (BJCP 208; 65: 451-452). Denkbar sind auch Einnahmefehler der Patienten. Die Studie selbst macht keinen Versuch der Ursachenforschung. Auf jeden Fall scheinen Ärzte das Risiko von FADR zu unterschätzen und vielen Patienten dürfte nicht klar sein, dass die Einnahme von verbreiteten und seit langem eingeführten Mitteln wie Aspirin zu einem tödlichen Risiko werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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