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Medizin

Rasche Zwerchfellatrophie bei mechanischer Beatmung

Donnerstag, 27. März 2008

Philadelphia – Die mechanische Beatmung eines Patienten führt einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 358:1327-1335) zufolge bereits nach wenigen Stunden zur Atrophie des Zwerchfells. Die Befunde erklären die Probleme, die sich in der Intensivmedizin häufig bei der Entwöhnung von der mechanischen Beatmung ergeben.

Nach einer internationalen Umfrage werden 39 Prozent aller Patienten auf Intensivstationen mechanisch beatmet. Die Beatmungszeit beträgt im Mittel sieben Tage. Die Rückkehr zur Spontanatmung bereitet vielen Patienten Probleme. Das „Weaning“ kann mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen in Anspruch nehmen. Tierexperimentelle Studie hatten gezeigt, dass eine Atrophie der Muskulatur im Zwerchfell dafür verantwortlich ist.

Untätigkeit in diesem Muskel, der normalerweise zu 30 bis 40 Prozent der Zeit und dies 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche tätig ist, führt aus bisher ungeklärter Ursache zu einem bindegewebigen Umbau. Sanford Levine und Mitarbeiter von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia konnten dies jetzt erstmals auch für den Menschen nachweisen.

Sie untersuchten Gewebeproben von 14 hirntoten Patienten, die vor einer Organspende noch 18 bis 69 Stunden beatmet wurden. In allen Gewebeproben fanden sich Hinweise auf einen Umbau des Zwerchfells. Er war sowohl bei den schwächeren, aber ermüdungsresistenten Low-twitch-Fasern nachweisbar, als auch bei den Fast-Twitch-Fasern, die für rasche Atemexkursionen benötigt werden. Das Ausmaß der Atrophie war beträchtlich.

Levine schätzt, dass mehr als die Hälfte der Zwerchfellleistung (55 Prozent des transdiaphragmatisches Drucks) verloren gegangen ist. Worauf die Atrophie zurückzuführen ist, bleibt offen. Die näheren Untersuchungen ergaben, dass die Fähigkeit zur Abwehr von freien Radikalen vermindert und die Aktivität von proteolytischen Enzymen erhöht war. Ob sich daraus einmal therapeutische Ansätze ergeben werden, bleibt abzuwarten.

Offen ist auch, ob die Befunde an hirntoten Patienten auf die Normalsituation von beatmeten Patienten auf Intensivstationen übertragbar sind. Nach Einschätzung der Editorialisten Gary Sieck und Carlos Mantilla von der Mayo Clinic in Rochester sollte die mechanische Beatmung auf Intensivstation zurückhaltend eingesetzt werden (NEJM 2008; 358: 1392-1394). © rme/aerzteblatt.de 

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