NewsMedizinMeta-Analyse: Antioxidative Vitamine erhöhen Sterblichkeit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse: Antioxidative Vitamine erhöhen Sterblichkeit

Mittwoch, 16. April 2008

Kopenhagen – Die Einnahme von Vitaminen kann das Leben nicht verlängern. Die neueste Analyse der Cochrane Collaboration zeigt für einige antioxidative Vitamine erneut einen Anstieg der Sterblichkeit. Bei vielen Stoffwechselreaktionen entstehen freie Radikale, die Zellen schädigen.

Dieser oxidative Stress gilt als wesentlicher Faktor in der Pathogenese von Herzkreislauferkrankungen und Krebs. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Einnahme von antioxidativen Vitaminen diese Schäden verhindern kann. Die Wirkungen von Vitamin A, C und E, Beta-Caroten und Selen im Körper sind komplex und neben gesundheitsfördernden sind auch potenziell schädliche Wirkungen beschrieben.

Vor drei Jahren war die Gruppe um Goran Bjelakovic von der Universität Kopenhagen zu dem Ergebnis gekommen, dass einige antioxidative Vitamine das Risiko von gastrointestinalen Krebserkrankungen erhöhen (Lancet 2004; 364: 1219-28). Im letzten Jahr publizierte die Gruppe im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 842-857) eine Meta-Analyse, die sogar auf einen allgemeinen Anstieg der Sterblichkeit bei Menschen hinwies, die regelmäßig Supplemente mit Beta-Caroten, Vitamin A oder Vitamin E einnahmen.

Der damaligen Untersuchung lagen 14 randomisierte Studien mit mehr als 170.000 Teilnehmern zugrunde. Jetzt erweiterten die Forscher ihre Datenbasis auf 67 Studien mit 232.550 Teilnehmern, ohne dass sich ihr Ergebnis wesentlich verändert hätte. Es gebe keinen Hinweis, dass gesunde Menschen irgendeinen Vorteil von der Einnahme von antioxidativen Vitaminen haben, schreiben die Autoren.

Im Gegenteil. Die negativen Ergebnisse für Beta-Caroten , Vitamin A oder Vitamin E wurden bestätigt: Supplemente mit Vitamin A erhöhten das Sterberisiko um 16 Prozent (relatives Risiko RR 1,16; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10-1,24), bei Beta-Caroten stieg die Mortalität um sieben Prozent (RR 1,07: 1,02-1,11) und bei Vitamin E um vier Prozent (RR 1,04; 1,01-1,07). Auch für Vitamin C zeigt sich ein negativer Trend (RR 1,06; 0,94-1.20), der jedoch nicht signifikant war. Hier besteht nach Ansicht von Bjelakovic weiterer Studienbedarf. Das trifft auch auf Selen zu, dessen Einnahme mit einer leichten, aber ebenfalls nicht signifikanten Reduktion des Sterberisikos assoziiert war (RR 0,90; 0,80-1,01).

Die Studie schließt nicht aus, dass Vitamine bei Mangelzuständen oder bei einzelnen Erkrankungen eine positive Wirkung haben, was jedoch zu beweisen wäre. Für Beta-Caroten ist dieser Beweis vor Jahren misslungen. In zwei randomisierten kontrollierten Studien erhöhte Beta-Caroten das Lungenkrebsrisiko von Rauchern. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. März 2020
Chapel Hill/North Carolina. Die tägliche Einnahme von antioxidativen Multivitaminen hat in einer randomisierten Studie die Zeugungsfähigkeit von Männern mit Störungen der Spermienproduktion nicht
Vitamine bleiben bei männlicher Infertilität in Studie ohne Wirkung
27. Februar 2020
Kopenhagen – Dänische Kinder, deren Mütter im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie während der Schwangerschaft hochdosiert mit Vitamin D behandelt wurden, hatten im Alter von 3 und 6
Vitamin D in der Schwangerschaft erhöht Knochendichte des Kindes
10. Februar 2020
Rochester/New York – Eine Vitamin D-Substitution von Schwangeren hat in einer randomisierten Studie zwar die Häufigkeit von asthmaartigen Beschwerden in den 1. Lebensjahren gesenkt. Ein günstiger
Pränatale Vitamin-D-Gabe kann Asthmaerkrankungen des Kindes nicht verhindern
2. Dezember 2019
Köln – Ein Vitamin-D-Mangel verschlechtert die Prognose von Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom. Das berichten Wissenschaftler um Sven Borchmann von der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln
Vitamin-D-Mangel verschlechtert Überleben bei Hodgkin-Lymphom
11. November 2019
Seattle – Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren in Fischöl-Kapseln oder mit Vitamin D haben in einer randomisierten klinischen Studie den allmählichen Rückgang der Nierenfunktion bei
Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren können Nierenfunktion bei Typ-2-Diabetes nicht erhalten
2. Oktober 2019
Richmond – Kann eine hochdosierte Vitamin C-Behandlung das Leben von Sepsis-Patienten retten, bei denen es bereits zu einem Organversagen gekommen ist? In einer randomisierten kontrollierten Studie im
Sepsis: Studie zur Hochdosis-Therapie mit Vitamin C scheitert in den meisten Endpunkten
2. August 2019
Providence –Menschen, deren Ernährung einen hohen Vitamin A-Gehalt aufweist, erkranken seltener an Spinaliomen, dem nach dem Basaliom zweithäufigsten Hautkrebs. Dies zeigen die Ergebnisse aus zwei
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER