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Ärzteschaft

Ärztetag fordert mehr Finanzmittel für Demenzpatienten

Mittwoch, 21. Mai 2008

Ulm – Der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm fordert, neben den stationären Einrichtungen die ambulante Pflege, teilstationäre Angebote und betreute Wohngruppen zu fördern und wohnortnah auszubauen. Um die bestmögliche Betreuung Demenzkranker zu gewährleisten, sei die Kooperation aller Akteure notwendig. „Dabei berät und stützt der Hausarzt als Koordinator im Versorgungsmanagement den Erkrankten und seine Familie und leitet entsprechende Maßnahmen ein.“

Die Ärzteschaft habe dafür entsprechende Struktur- und Qualifizierungskonzepte zur Einbeziehung von Medizinischen Fachangestellten in die Hausbesuchstätigkeit niedergelassener  Ärztinnen und Ärzten entwickelt und neue Felder der Aufgabendelegation für medizinische Fachberufe beschrieben. Im Rahmen der Aus-, Weiter- und Fortbildung müssten demenzielle Erkrankungen verstärkt Berücksichtigung finden. Grundbedingung für eine würdige und umfassende Versorgung im Alter sei die Aufstockung der Finanzmittel im Pflegebereich. 

„Die derzeitige Finanzierung stationärer Pflegeeinrichtungen ermöglicht nur ein satt, still, sauber‘“, kritisierten die Delegierten. Politik und Krankenkassen forderte der Ärztetag auf, „endlich die im Gesetz garantierte Rehabilitation geriatrischer Patienten bundesweit sicherzustellen.“ Außerdem lehnten die Ärztevertreter die Ermächtigung von sogenannten Heimärzten ab. Stattdessen sollten in stationären Pflegeeinrichtungen Kooperationen mit besonders qualifizierten Vertragsärzten beschlossen werden.

Die Delegierten forderten außerdem den Anstoß einer gesamtgesellschaftlichen Debatte, die auf einen Abbau der Tabuisierung und eine Beendigung der Isolation von Demenzkranken und ihren Angehörigen hinzielen müsse. Rund 30 Prozent der Demenzkranken würden von Familienangehörigen versorgt. „Gesundheitspolitik und deutsche Ärzteschaft sind aufgerufen, gemeinsam sowohl Finanzierung als auch Etablierung neuer Versorgungskonzepte für geriatrische Patienten intensiv zu diskutieren und möglichst bald zu realisieren.“ 

Diese Auffassung vertrat auch die Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Cornelia Goesmann.  „Wir dürfen die Probleme des langen Lebens nicht länger verdrängen und müssen denjenigen, die bei der Pflege Alter und Dementer Schwerstarbeit leisten, höchste Anerkennung zollen“, sagte Goesmann. Notwendig sei deshalb auch eine Änderung der Steuergesetze. „Die Kosten für die Betreuung von Kindern, Kranken und alten Angehörigen in ihrer häuslichen Umgebung sollten künftig voll steuerlich absetzbar sein“, forderten die Dele­gierten des Ärztetages.

Andreas Kruse /Gebhardt

Der Gerontologe Andreas Kruse, Heidelberg, forderte eindringlich die Beachtung der Würde der demenzkranken Patienten. Sie seien auch im fortgeschrittenen Stadium noch durchaus in der Lage, differenzierte Emotionen zu erleben und auszudrücken. Auf der Grundlage detaillierter Analyse mimischer Ausdrucksmuster „konnte gezeigt werden, dass bei allen Patienten in unterschiedlichen Situationen sehr verschiedenartige Emotionen auftreten .“ 

Zur Therapie der Demenz stünden mit den Azetylcholinesterasehemmern Medikamente zur symptomatischen Behandlung der kognitiven Defizite zur Verfügung. Die wichtigste allgemeinmedizinische Maßnahme bilde die frühzeitige Klärung der Diagnose. Zusätzlich hätten sich verschiedene psychosoziale Angebote bewährt. Insbesondere in der fachärztlichen Versorgung sieht Kruse Lücken. „Nur etwa ein Drittel der Demenzkranken in Pflegeheimen wird von Psychiatern und Neurologen betreut“, betonte der Gerontologe.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird der Anteil der über 80-jährigen Bundesbürger von heute auf circa zehn Millionen im Jahr 2050 steigen. Da die Demenzrate mit zunehmendem Alter exponenziell wächst, ist in den kommenden Jahren mit einer deutlich steigenden Anzahl Demenzkranker in den nächsten Jahren zu rechnen. © Kli/aerzteblatt.de

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