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Ärzteschaft

Einzelverträge: Pro und Contra auf dem Hauptstadtkongress

Donnerstag, 5. Juni 2008

Berlin – Die einen halten sie für die Bedrohung einer qualitativ hochwertigen  Patientenversorgung und eine neue Quelle von Bürokratismus. Die anderen trauen ihnen patientennahere Versorgungsansätze und mehr Vielfalt zu: den Einzelverträgen. Ob sie also Ende oder vielmehr Basis einer angemessenen Patientenversorgung sind, wurde am Eröffnungstag des Hauptstadtkongresses in Berlin kontrovers diskutiert.

„Wir wissen, dass die Zeit des Monopols vorbei ist“, stellte Andreas Köhler in seinem Statement klar. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hält es nicht für gefährlich, dass Einzelverträge die Versorgung im kollektiven Rahmen ergänzen. „Das Ersetzen halten wir für gefährlich“, betonte Köhler. Dann stelle sich nämlich die Frage nach Versorgungssicherheit und –gerechtigkeit.

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So sei zu befürchten, dass chronisch Kranke in Verträge wie dem zwischen AOK, Medi und Deutschem Hausärzteverband in Baden-Württemberg erst gar nicht eingeschrieben würden. Dort gebe es maximal 85 Euro Honorar pro Patient, während ein Hausarzt im Kollektivsystem bis zu 120 Euro für Kranke in Chronikerprogrammen erhalten könne, rechnete der KBV-Vorstand vor. Köhler räumte ein, dass im Rahmen von Einzelverträgen die Versorgung der Patienten möglicherweise besser koordiniert werde. Das sei aber noch nicht bewiesen.

Ihm widersprach Klaus Bittmann, Vorsitzender des NAV-Virchowbunds und früher Mitbegründer einer Ärztegenossenschaft. „Das Rundum-sorglos-Paket von früher gibt es nicht mehr“, sagte Bittmann mit Blick auf die KVen. Deshalb müssten die Ärzte handeln. Der Vertrag in Baden-Württemberg sei „ein großes Experiment“. Doch Risikoselektion sei nicht vorgesehen.

Als vehementer Verteidiger der Einzelverträge präsentierte sich Felix Cornelius, Mitglied der Geschäftsleitung der Polikum-Gruppe Berlin. „Es ist einfach, Einzelverträge zu kritisieren, in dem man einzelne herauspickt“, sagte er. Damit kritisiere man aber nicht die Idee der Einzelverträge an sich. Sie stünden für die Akzeptanz von Wettbewerb und das Bemühen, die Versorgung besser zu gestalten als im KV-System.

Wichtig sei es, dass Patienten die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern und Verträgen hätten. Denn nicht alle Versorgungskonzepte seien von Anfang an gut, gestand Cornelius zu: „Man versucht ja, die Zukunft vorweg zu nehmen.“ © Rie/aerzteblatt.de

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