Medizin

Herzinfarkt: Thrombusaspiration halbiert Todesrate

Freitag, 6. Juni 2008

Groningen – Ein neuartiger Thrombektomie-Aspirationskatheter, der das für den Herzinfarkt verantwortliche Blutgerinnsel absaugt, kann die Ergebnisse der perkutanen koronaren Intervention beim Herzinfarkt (PCI) deutlich verbessern. 

Die herkömmlichen PCI-Katheter durchstechen den Thrombus in der Koronararterie, um dann die Reste gegen die Wand zu pressen. Es ist leicht vorstellbar, dass bei diesem Manöver versprengtes thrombotisches Material in die distalen Blutgefäße abgeschwemmt wird. Der Thrombektomie-Aspirationskatheter, den die Gruppe um Felix Zijlstra von der Universität Groningen einsetzt, vermeidet dies. Nach dem Vorschieben des Führungsdrahtes wird das Blutgerinnsel durch das Katheterlumen nach außen aspiriert (siehe Animation).

In der Thrombus Aspiration during Percutaneous coronary intervention in Acute myocardial infarction Study (TAPAS) wurde der neue Thrombektomie-Aspirationskatheter mit einem herkömmlichen Katheter an einer Gruppe von 1.071 Herzinfarkt-Patienten mit ST-Hebung (STEMI) verglichen.

Kürzlich hatte die Gruppe im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 358: 557-567) die unmittelbaren Auswirkungen auf die Reperfusion des Herzmuskels belegt. Der myokardiale Blush, eine nach erfolgreicher PCI in der Durchleuchtung sichtbare Verteilung (“Erröten”) des Kontrastmittels im Myokard, der eine erfolgreiche Reperfusion anzeigt, konnte deutlich gesteigert werden.

Jetzt liefert die Gruppe um Felix Zijlstra von der Universität Groningen im Lancet (2008; 371: 1915-1920) erstmals „harte“ klinische Daten. Sie zeigen, dass der myokardiale Blush kein kurzfristiges Schauspiel während der PCI ist: Sie erwies sich vielmehr als signifikanter Prädiktor der langfristigen Überlebensrate.

Von den 536 Patienten, bei denen ein konventioneller PCI-Katheter verwendet wurde, waren nach einem Jahr 41 (7,6 Prozent) gestorben. Im Studienarm mit Thrombusaspiration waren es 25 von 535 Patienten (4,7 Prozent). Dies ergibt nach der Berechnung der Autoren eine Hazard Ratio von 1,67 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-2,75). Die Zahl der kardialen Todesfälle war nach der konventionellen PCI sogar doppelt so hoch: 6,7 vs. 3,6 Prozent (Hazard Ratio 1,93; 1,11-3,37), ebenso die Zahl der Re-Infarkte: 4,3 vs. 2,2 Prozent; Hazard Ratio 0,98-3,96).

Für die Editorialisten Francesco Burzotta und Filippo Crea von der Katholischen Universität in Rom sind die Ergebnisse  ein „erster überzeugender Sieg in dem Kampf gegen die unvollständige myokardiale Reperfusion”, die häufig den Erfolg der PCI infrage stelle. Zudem weisen sie auf die einfache Durchführung und die niedrigen Kosten der Therapie (Lancet 2008; 371: 1889-1890) hin. Es bleibt dennoch abzuwarten, ob andere Experten ihnen folgen werden. © rme/aerzteblatt.de

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