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Medizin

Studie: Doping mit Wachstumshormonen nur ein Placeboeffekt

Mittwoch, 18. Juni 2008

Sydney/Boston/Athens – Der illegale Handel mit Wachstumshormonen soll sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt haben. Neben den Anti-Aging-Gläubigen setzen vor allem Sportler auf die vermeintlich anabole Wirkung der Hormone, könnten nach einer auf der Jahrestagung der US-Endocrine Society in San Francisco vorgestellten Studie jedoch einem Irrtum aufsitzen.

Ein Doping ist immer dann schwer nachweisbar, wenn gentechnische Hormone eingesetzt werden, die sich kaum von dem menschlichen Hormon unterscheiden. Ein bekanntes Beispiel ist das Epo-Doping, das lange Zeit übersehen wurde. Ein anderer Fall ist das Doping mit Wachstumshormonen, das nach Ansicht vieler Experten weit verbreitet ist.

Die World Anti-Doping Association (WADA) hat zwar bereits zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen einen Test eingeführt, der jedoch bei keinem Sportler positiv ausfiel. Da der Test bekannt war, haben die meisten die Hormone rechtzeitig abgesetzt, vermuten die Doping-Experten. 

Nach Auskunft von Christian Strasburger von der Berliner Charité wurde inzwischen ein Leistungssportler mit Wachstumshormonen im Reisegepäck erwischt und mehrere andere Athleten hätten das Doping zugegeben (WADA-Publikation “play true” Ausgabe 2, 2007). Laut Strasburger konnte die Empfindlichkeit des Dopingtests inzwischen stark verbessert werden. Er erkennt Dopingsünder anhand von Isoformen der Wachstumshormone. Während die Hypophyse immer eine Mischung verschiedener Wachstumshormone ausschüttet, enthalten die Dopingmittel immer nur eine Variante.

Derzeit arbeiten verschiedene Gruppen an neuartigen Dopingtests, die nicht das Wachstumshormon selbst, sondern die Auswirkungen auf den Stoffwechsel untersuchen. Dazu gehören Veränderungen in der Konzentration von Albumin, Apolipoprotein A-1 und anderen Proteinen, wie John Kopchick und Mitarbeiter von der Universität in Athens/Ohio an tierexperimentellen Studien nachweisen können, die in an Francisco vorgestellt wurden. 

Doch lohnt sich das Doping überhaupt für den Sportler? Jennifer Hansen vom Garvan Institute of Medical Research in Sydney stellt dies in einer von der WADA geponserten Untersuchung infrage: 64 Freizeitsportler erhielten über acht Wochen das – außer zu Testzwecken – illegale Hormon, so meinten sie jedenfalls. In Wirklichkeit wurde einigen Teilnehmern nur ein Placebo gespritzt. Später sollten sie sagen, ob sie ihrer Ansicht nach Wachstumshormone oder ein Placebo erhalten hatten.

Vor allem die männlichen Teilnehmer waren häufiger von den Wirkungen der Hormone überzeugt, auch wenn sie ein Placebo erhalten hatten. Nicht nur das. In einem Sprungtest konnten die „incorrect guessers“ ihre Leistung signifikant verbessern, berichtet Hansen. Der Glaube an die Wirkung der Wachstumshormone hatte ihnen gewissermaßen Flügel verliehen. Die Wachstumshormone selbst zeigten in der Studie indes keine Wirkung auf das Leistungsvermögen der Sportler.

Das Wachstumshormondoping wäre demnach dann reine Fantasie, an dem vor allem die illegalen Händler profitieren. Thomas Perls von der Boston Universität berichtet im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 299: 2792-2794) von einer US-Apotheke, die nach Polizeiberichten 25 Gramm Wachstumshormon für 75.000 US-Dollar importiert hatte und es gestückelt in Mengen von 3000 IU für sechs bis acht US-Dollar pro IU weiterverkaufte. Der Nettogewinn betrug 450.000 bis 1,35 Millionen US-Dollar.

Auch für den Altersforscher Perls, er leitet die New England Centenarian Study, bestehen erhebliche Zweifel an der Wirkung von Wachstumshormonen (außer in den wenigen gesicherten Indikationen). Dies gelte für die Anti-Aging-Medizin ebenso wie für die Body-Building-Szene, in der das Hormon häufig eingesetzt wird. © rme/aerzteblatt.de

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