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Politik

Experten fordern Umdenken bei Krankenhausfinanzierung

Donnerstag, 19. Juni 2008

Berlin - Die Krankenhäuser schlagen Alarm: „Steigende Kosten können von den Kliniken wegen des Budgetdeckels nicht mehr geschultert werden. Im laufenden Jahr wird mehr als die Hälfte aller 2100 deutschen Krankenhäuser rote Zahlen schreiben.“ Davor warnte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Rudolf Kösters, bei einer Anhörung des Bundestags-Gesundheitsausschusses. Grundlage für das Expertenhearing waren drei Anträge der Oppositionsfraktionen, die alle eine Verbesserung der finanziellen Lage der rund 2 100 Krankenhäuser zum Ziel haben. 

Kösters kritisierte insbesondere die gesetzliche Obergrenze für die Preiszuwächse der Fallpauschalen. Die aus der Lohnentwicklung der Vergangenheit abgeleitete Grundlohnrate führe dazu, dass die Kliniken von der guten wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt würden. Eine sinnvolle Alternative zur Anbindung an die Grundlohnrate ist nach Meinung von Klaus-Dieter Henke ein Warenkorb, der die wesentlichen Kostenbestandteile in den Kliniken abbildet. Mit dessen Hilfe könnte der genaue Finanzbedarf ermittelt werden, schlug der Berliner Gesundheitsökonom vor.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, forderte ebenso wie die Bundes­ärzte­kammer ein Drei-Punkte-Sofortprogramm. Dieses müsse ein Ende der Budgets vorsehen, eine realistische Gegenfinanzierung der Klinikausgaben ermöglichen sowie die Rücknahme des Sanierungsbeitrages beinhalten.

Dass Eile geboten ist, belegte Sebastian Klinke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, mit Studienergebnissen seiner Einrichtung: Demnach beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von ärztlichen Vollzeitkräften etwa 50 Stunden. Hinzu kommen 16 Stunden Bereitschaftsdienste in der Woche. Pro Tag hätten Klinikärzte weniger als 1,5 Stunden Zeit für Gespräche mit Patienten und Angehörigen. Für das Literaturstudium bleiben nur 20 Minuten und für Forschungsarbeiten 14 Minuten.

Schuld an den Problemen ist nach Auffassung der Kassen nicht das DRG-System, sondern die mangelnde Investitionsbereitschaft der Länder. Viele Kliniken müssten notwendige Investitionen selbst tragen und diese über Einsparungen bei den Betriebskosten refinanzieren, sagte Stefan Wöhrmann vom Verband der Angestelltenkrankenkassen.

Um dies zu verhindern, ist nach Meinung von Jürgen Wasem ein monistischer Finanzierungsrahmen für die Krankenhäuser notwendig. Ein Einstieg hierfür wäre ein Modell von Bündis90/Die Grünen, wonach die bisherige Einzelförderung der Investitionen auf eine leistungsbezogene Pauschalförderung umgestellt werden soll.

Die Kassen wären demnach hälftig an der Investitionsfinanzierung beteiligt, dürften dafür aber gleichberechtigt an der Krankenhausplanung mitwirken. Nach Einschätzung Wasems hat der Vorschlag nur einen Haken: „Die Grünen haben ihn vorgelegt, und das steigert nicht die Chance, dass er auch umgesetzt wird.“ © SR/aerzteblatt.de

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