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Medizin

Warum eine Narkose die postoperativen Schmerzen verstärken könnte

Dienstag, 24. Juni 2008

Washington – Postoperative Schmerzen wurden bisher als unvermeidliche Folge der Gewebeschädigung durch den Chirurgen betrachtet. Nach den Ergebnissen einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2008;  10.1073/pnas.0711038105) könnte jedoch auch der Narkosearzt nicht ganz unschuldig am schmerzhaften Erwachen sein.

Anästhesisten ist es durchaus bewusst, dass einige Narkosemittel eine irritierende Wirkung haben. Sie infiltrieren deshalb vor der Gabe von Propofol die Injektionsstelle mit einem Lokalanästhetikum. Bekannt war auch, dass einige volatile Anästhetika wie Isofluran die Atemwege reizen. Den Grund hierfür hat jetzt Gerard Ahern von der Georgetown Universität in Washington herausgefunden. Der Pharmakologe kann in seinen Versuchen an Mäusen zeigen, dass einige Narkosemittel den Ionenkanal TRPA1 (transient receptor potential cation channel, subfamily A, member 1) aktivieren. Dieser Rezeptor ist auf sensorischen Nervenfasern vorhanden und seine Aktivierung löst einen Schmerzreiz aus. Normalerweise wird TRPA1 durch Senföl oder Wasabi (japanischer Meerrettich) aktiviert.

Ahern hat die Schmerzreize von verschiedenen Narkosemitteln an Mäusen untersucht. Einige Versuchstiere waren genetisch so modifiziert, dass sie kein TRPA1 exprimieren. Diese Tiere zeigten – im Gegensatz zum Wildtyp – nach Applikation der Narkosemittel keine Schmerzreaktion, was belegt, dass die Schmerzen über den Rezeptor vermittelt werden. Einige moderne Narkosemittel wie Servofluran aktivieren TRPA1 dagegen nicht. Ahern vermutet deshalb, dass diese Narkosemittel für den Patienten weniger schmerzhaft sind, was durch klinische Studien belegt werden müsste. Sollte Ahern Recht haben, dann könnte dies bei der Wahl der Narkosemittel berücksichtigt werden. Die Identifizierung der Schmerzursache sollte aber auch die Suche nach Medikamenten fördern, die eine Aktivierung von TRPA1 verhindern. Diese Mittel könnten dann nicht nur in der Anästhesie, sondern ganz allgemein in der Schmerztherapie von Nutzen sein. © rme/aerzteblatt.de

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