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Medizin

„Hirnschrittmacher” mildert langfristig Depressionen

Donnerstag, 24. Juli 2008

Atlanta – Eine tiefe Hirnstimulation kann langfristig Depressionen lindern, wie eine Studie in Biological Psychiatry (2008; doi:10.1016/j.biopsych.2008.05.034) zeigt. Auch in Deutschland gibt es erste Erfahrungen.

Die tiefe Hirnstimulation hat sich in den letzten Jahren zur Therapie von Bewegungsstörungen wie dem essentiellen Tremor (FDA-Zulassung 1997), Morbus Parkinson (FDA 2002) und der Dystonie (FDA 2003) etabliert. Der Einsatz bei der Depression ist noch experimentell. Er kommt deshalb nur bei Patienten infrage, bei denen alle anderen therapeutischen Möglichkeiten einschließlich der Elektrokonvulsion bereits ausgeschöpft wurden, wie dies auch bei den Patienten der Fall war, welche die Gruppe um Helen Mayberg sei 2002 behandelt. Vor drei Jahren berichtete die Neurologin, die inzwischen an der Emory Universität in Atlanta tätig ist, über die ersten sechs Patienten (Neuron 2005; 45: 651-660). Inzwischen hat sie 20 Patienten behandelt.

Die Elektroden werden dabei in das subgenuale Cingulum (Brodmann Area 25) vorgeschoben, einem Abschnitt des zerebralen Cortex, der bei Patienten mit Major-Depression eine gesteigerte Aktivität zeigt. Die regelmäßige Stimulierung könnte dem entgegenwirken, und tatsächlich zeigte schon die erste Publikation vor drei Jahren an damals erst sechs Patienten, dass die Symptome der therapieresistenten Patienten sich besserten. Es bestanden jedoch Bedenken, dass die Therapie auf Dauer ihre Wirkung verlieren wird. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Nach der neuen Publikation erfüllen die Geräte auch nach einem Jahr noch ihren Zweck. Bei insgesamt 12 der 20 Patienten, bei denen wie erwähnt alle anderen Therapien versagt hatten, kam es zu einer Reduktion der Hamilton Rating Scale for Depression (HRSD-17) um mehr als die Hälfte, sieben Patienten befanden sich nach 6 Monaten sogar in Remission.

Untersuchungen mit der Positronenemissionstomografie (PET) zeigen laut Mayberg, dass der Hirnstoffwechsel der Patienten sich nicht nur im Bereich der Elektrodenspitze verändert, sondern in einem ganzen „Netzwerk der Depressionen“ im Gehirn. Die Forscher wollen in den nächsten Jahren weitere 20 Patienten behandeln, um den Wirkungsmechanismus der Therapie zu erforschen.

In einer ganz anderen Größenordnung plant die Firma St. Jude Medical in St.Paul/Minnesota, die im Februar den Beginn einer klinischen Studie mit bis zu 200 Patienten bekannt gab. Die „BROdmann Area 25 DEep brain Neuromodulation“ oder BROADMAN-Studie soll einer künftigen Zulassung der „Hirnschrittmacher” den Weg bereiten.

Auch in Deutschland wurden bereits Patienten mit Depressionen mit der tiefen Hirnstimulation behandelt. An der Universität Bonn haben nach Informationen von Nature (2008; doi: 10.1038/news.2008.970) bereits zehn Patienten ein derartiges Gerät erhalten, mit gutem Erfolg, wie die Gruppe um Thomas Schlaepfer mitteilte. Neurochirurgen der Berliner Charité stellten im Juni auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie in Würzburg erste Ergebnisse vor. © rme/aerzteblatt.de

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