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Medizin

ALS: Stammzellforscher bilden Motoneuronen aus Hautzellen

Freitag, 1. August 2008

Cambridge – US-Stammzellforschern ist es gelungen, aus den Hautzellen einer 82-jährigen Frau mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) intakte Motoneurone herzustellen. Sie gingen dabei den Weg über die ethisch unproblematischen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS). Klinische Anwendungen ergeben sich aus der Publikation in Science (2008; doi: 10.1126/science.1158799) vorerst nicht. 

Wie in der Stammzellforschung mittlerweile üblich, wurden die Ergebnisse von Kevin Eggan vom Harvard Stem Cell Institute in Cambridge/ Massachusetts und Christopher Henderson vom Motor Neuron Center in New York als Durchbruch bezeichnet. Sie sind indes nur ein weiterer kleiner Schritt hin zu einer therapeutischen Nutzung von Stammzellen.

Dass dieser Weg mühsam bleibt, zeigt die Tatsache, dass die Forscher etwa 30.000 Hautzellen benötigten, um „eine Handvoll“ (Science) von iPS zu bilden, welche die Bereitschaft zeigten, sich in Zellkulturen zu vermehren. Und nur wenige iPS konnten durch bestimmte Nährlösungen und Zusatz von Wachstumsfaktoren dazu gebracht werden, auf ihrer Oberfläche „Marker“ auszubilden, welche für Motoneuronen spezifisch sind.

Der letzte Beweis, dass es sich tatsächlich um Motoneuronen handelt, steht damit noch aus. Dazu müssten die Zellen beispielsweise in einem Tiermodell Verbindungen zu anderen Nervenzellen eingehen.

Eine therapeutische Verwendung ist derzeit noch nicht in Sicht, zumal die Zellen den gleichen genetischen Defekt tragen, der bei der Patientin die ALS ausgelöst hat. Die Frau litt an einer seltenen Variante der ALS (Anteil etwa zwei Prozent), die durch einen Defekt im Gen für die Superoxid-Dismutase 1 oder SOD1 ausgelöst wird.

Selbst wenn es zukünftig gelänge, diesen Defekt zu korrigieren, dürfte sich die Transplantation von Motoneuronen als technisch sehr schwierig erweisen. So bleibt es zunächst bei einem reinen Fortschritt in der Grundlagenforschung.

Er baut auf den Ergebnissen von Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto auf, der 2006 zeigen konnte, wie mithilfe von vier Genen Fibroblasten der Haut in den Zustand einer Stammzelle, der iPS, zurückversetzt werden können. Die Gene wurden mit Hilfe von Viren in die Zellen geschleust, was mit einem gewissen Risiko einer Krebsinduktion verbunden war. Auch dieses Problem müsste vor einer klinischen Anwendung noch gelöst werden.

Dennoch schreitet die Stammzellforschung weiter voran. Die US-Forscher konnten erstmals zeigen, dass iPS von Patienten  gezielt in funktionale Zellen ausdifferenziert werden können. Dass dies zudem, wenn auch unter Schwierigkeiten, bei einer über 80-jährigen Patientin gelang, ist sicherlich ein weiterer Forschritt.

Beobachter gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere Publikationen zu Patienten mit Morbus Alzheimer, Down Syndrom und Muskeldystrophie und anderen Erkrankungen folgen werden. Die entsprechenden Poster wurden laut Nature bereits auf einer Stammzellforschertagung im Juni gezeigt. © rme/aerzteblatt.de

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