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Medizin

Parenterales Vitamin C verlangsamt Krebswachstum bei Mäusen

Dienstag, 5. August 2008

Bethesda – Während Vitamin C in normaler Dosierung als Antioxidans den Untergang von Zellen verhindert, hat es in hohen Dosierungen eine prooxidative Wirkung, die in tierexperimentellen Studien in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2008; doi: 10.1073/pnas.0804226105) das Wachstum von aggressiven Tumoren deutlich reduzierte.

Die Idee, dass Vitamin C in hohen Dosierungen Krebs vorbeugen kann, hat den Nobelpreisträger Linus Pauling viele Jahre seines Lebens beschäftigt. Was Pauling nicht wusste: Die orale Zufuhr großer Vitamin C-Mengen bleibt ohne Wirkung, da der Körper die Konzentration des lebenswichtigen Vitamins in engen Grenzen hält.

Diese Kontrolle kann nach Auskunft von Mark Levine jedoch durch eine parenterale Gabe leicht umgangen werden.

Der Forscher vom US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda/Maryland applizierte den Versuchstieren Vitamin C entweder intravenös oder intraperitoneal in der Dosierung von 4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

In diesen extrem hohen Dosierungen wird Vitamin C vom Antioxidans, das toxische Stoffwechselprodukte unschädlich macht (Radikalenfänger), zum Prooxidans, das Wasserstoffperoxid freisetzt. Nach der Theorie Levines soll dies vor allem den Tumoren im Körper schaden. Er konnte eine Antitumorwirkung zunächst in Zellinien nachweisen.

Der nächste Schritt bestand in tierexperimentellen Studien. Es wurden Mäuse behandelt, denen drei besonders aggressive Tumoren – Ovarial-, Pankreaskarzinom oder Glioblastom – transplantiert worden waren. Bei allen drei Malignomen konnte laut Levine eine Reduktion von Tumorwachstum und -gewicht um 41 bis 53 Prozent erzielt werden. Beim Glioblastom konnte außerdem eine Metastasierung in andere Organe verhindert werden, die im Kontrollarm der Studie bei 30 Prozent der Versuchstiere beobachtet wurde.

Allerdings bedeutet eine Reduktion der Tumorgröße im Tierexperiment noch lange keine Heilung – Teilremissionen sind ein häufiges und selten beständiges Phänomen in der Onkologie. Zudem erscheint gegenüber im Hochsommer lancierten Pressemitteilungen immer eine gewisse Skepsis angebracht, selbst wenn sie von einem führenden Forschungsinstitut herausgegeben werden.

Die Publikation wird jedoch zweifellos klinische Studien nach sich ziehen, zumal Levine bereits zeigen konnte, dass derartig hohe Vitamin-C-Spiegel auch beim Menschen erreicht werden können. Es gibt auch bereits zwei laufenden komplementär-medizinische Studien.

Jeanne Drisko von der Universität Kansas City rekrutiert seit Juni 2008 fünfzig Patienten mit gynäkologischen Tumoren (Ovar, Uterus, Cervix). Bereits im letzten Jahr hat das ebenfalls komplementärmedizinisch orientierte Cancer Treatment Centers of America aus Zion/Illinois eine Studie registrieren lassen, in der 18 Patienten eine intravenöse Vitamin C-Therapie erhalten sollen. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die orale Therapie mit Vitamin C gilt als widerlegt, seit zwei randomisierte Studien aus den Jahren 1979 und 1985 keine Wirkung feststellen konnten.
© rme/aerzteblatt.de
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