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Medizin

Prostatakarzinom: NSAID verfälschen PSA-Ergebnisse

Mittwoch, 10. September 2008

Rochester/New York – Die regelmäßige Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) geht einer Querschnittsstudie in Cancer (2008; doi: 10.1002/cncr.23806) zufolge mit niedrigen Konzentrationen des prostataspezifischen Antigens (PSA) einher. Ob dies aber eine protektive Wirkung anzeigt oder im Gegenteil die Früherkennung erschwert, ist offen.

Die Aussagekraft von Querschnittsstudien wie dem National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) – einem Gesundheitszensus der US-Bevölkerung – sind begrenzt. Manchmal stiften sie eher Verwirrung, wie im vorliegenden Fall. Eric Singer, Urologe an der Universität Rochester im US-Staat New York, hatte die Daten der NHANES für die Jahre 2001 und 2002 ausgewertet und dabei festgestellt, dass jeder fünfte männliche US-Amerikaner über 40 regelmäßig ein NSAID (19,8 Prozent, zumeist Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) oder Paracetamol (1,3 Prozent) einnimmt.

Die PSA-Werte dieser Personen – die meisten US-Amerikaner nutzen diese Möglichkeit zur Früherkennung des Prostatakarzinoms – waren bei NSAID-Anwendern um zehn Prozent niedriger als bei Nichtanwendern. Bei Paracetamol-Anwendern lagen die PSA-Werte sogar 24 Prozent niedriger. Der Unterschied war aber nicht signifikant, was auch auf das merkwürdige Ergebnis zutrifft, demzufolge Personen, die beides – NSAID und Paracetamol einnehmen – um 80 Prozent höhere PSA-Werte haben. Beides könnte ein Zufallsergebnis gewesen sein. 

Bleibt der Befund, dass die NSAID-Einnahme mit niedrigeren PSA-Werten einhergeht. Die American Cancer Society vermutet, dass die Medikamente eine chronische Entzündungsreaktion lindern, die eine typische Begleiterscheinung vieler Malignomen sei. Beim Prostatakarzinom könnten Infektionen, hormonelle Veränderungen, physikalische Traumata, ein Harnwegsreflux oder auch Ernährungsgewohnheiten Auslöser der Entzündung sein. Dann würde die NSAID-Therapie nur Begleiterscheinungen des Tumors beseitigen, nicht aber dem Tumor vorbeugen. Die Einnahme von NSAID könnte in diesem Fall sogar die Früherkennung mit dem PSA-Wert behindern. 

Der American Cancer Society sind allerdings auch jene Studien bekannt, welche die regelmäßige Einnahme von NSAID mit einer niedrigeren Inzidenz des Prostatakarzinoms in Verbindung bringen. Sie werden auch von Singer angeführt, wobei der Urologe vorsichtig genug ist, darauf hinzuweisen, dass es für eine protektive Wirkung derzeit keinen sicheren Beleg gebe.

Wer regelmäßig Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen einnehme, sei es zur Behandlung andere entzündlicher Erkrankungen oder als präventive Maßnahme (etwa zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall) solle dem Urologen dies mitteilen, damit dies bei der Beurteilung des PSA-Tests berücksichtigt werden könne. © rme/aerzteblatt.de

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