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Medizin

Darmkrebs­früherkennung: Fünf- Jahres-Intervalle nach Koloskopie sicher – CT-Koloskopie eine Alternative

Donnerstag, 18. September 2008

Indianapolis/Scottsdale – Zwei aktuelle Studien im New England Journal of Medicine (NEJM) bestätigen die Zuverlässigkeit der Darm­krebs­früh­erken­nung. In einer Untersuchung kam es nach einem Untersuchungsintervall von fünf Jahren zu keinen Krebserkrankungen. Die andere Studie bescheinigt der CT-Koloskopie eine hohe Zuverlässigkeit.

In Deutschland wird den Patienten erstmals im Alter von 55 Jahren und dann zehn Jahre später erneut zur Koloskopie geraten, die als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung und – da auch präkanzeröse Polypen entfernt werden – zur Vorsorge von Darmkrebs gilt. Die Evidenz für dieses Zehn-Jahres-Intervall ist nach Einschätzung von Robert Fletcher, Emeritus der Harvard Universität in Boston, dürftig, da hierzu bisher kaum Studien durchgeführt wurden NEJM 2008; 359: 1285-1287).

Viele Gastroenterologen würden den Patienten gefühlsmäßig zu wesentlich kürzeren Intervallen raten, die jedoch häufig nicht akzeptiert würden und falls eine flächendeckende Versorgung angestrebt wird, auch nicht realistisch wären. 

Eine der ersten größeren Untersuchungen zur Frage des Screeningintervalls kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass ein Intervall von nur fünf Jahren nach einem Normalbefund in der ersten Untersuchung übertrieben kurz ist. Thomas Imperiale von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis hat retrospektiv die Daten von 1.256 Patienten ausgewertet (NEJM 2008; 359: 1218-1224). Das Durchschnittsalter bei der ersten Koloskopie war 56,7 Jahre. Alle hatten in der initialen Untersuchung einen negativen Befund.

Das Intervall betrug im Mittel 5,34 Jahre. Keiner der Patienten hatte in der zweiten Koloskopie einen Krebs (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0 bis 0,24 Prozent). Obwohl bei der zweiten Koloskopie 201 Patienten (16,0 Prozent) ein oder mehrere Adenome hatten, wurden nur bei 16 Patienten (1,3 Prozent) fortgeschrittene Adenome gefunden und in etwa der Hälfte dieser Fälle waren sie im Colon descendens lokalisiert.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Autoren, dass ein Intervall von fünf Jahren eher zu kurz ist. Was aber nicht ausschließt, dass das „gesetzliche“ Intervall von zehn Jahren nicht doch zu lang ist. Einschränkend muss gesagt werden, dass die Studie retrospektiv war und nur 52 Prozent der ursprünglichen Kohorte ein zweites Mal koloskopiert wurde. Eine Verzerrung der Ergebnisse ist leicht vorstellbar.

Ein Grund für die geringe Akzeptanz der Koloskopie dürften die Unannehmlichkeiten sein, die mit der Untersuchung verbunden sind. Sie lassen sich zwar mit einer CT-Koloskopie nicht völlig umgehen – eine Darmvorbereitung bleibt weiter notwendig –, die Akzeptanz unter der Bevölkerung könnte jedoch größer sein.

Die virtuelle Untersuchung wurde in einer Studie von Daniel Johnson von der Mayo Clinic in Scottsdale/Arizona direkt mit der optischen Koloskopie verglichen (NEJM 2008; 359: 1207-1217). Es beteiligten sich an 15 Zentren 2.531 Patienten. Die Sensitivität für Läsionen ab zehn Millimeter Größe betrug 90 Prozent, die Spezifität 86 Prozent. Für diese Läsionen ist die CT-Koloskopie mittlerweile eine gleichwertige Alternative zur optischen Koloskopie, findet Johnsson.

Die American Gastroenterological Association gibt indes zu bedenken, dass die Studie unter idealen Bedingungen mit gut ausgebildeten Radiologen durchgeführt wurde. Der Verband bezweifelt, dass die Ergebnisse unter normalen Verhältnissen reproduziert werden können. Einen Mangel sieht die Fachgesellschaft in der geringen Sensitivität von nur 65 Prozent bei Polypen in der Größe von fünf bis neun Millimeter, die durchaus zum Ausgangspunkt von Krebserkrankungen werden können.

Eine häufige Wiederholung der CT-Koloskopie würde sich anbieten, um das Risiko zu mindern, dass ein Darmkrebs übersehen wird. Doch dann könnte das Strahlenrisiko, das bei der CT-Koloskopie beträchtlich höher ist als etwa bei einer konventionellen Röntgenuntersuchung zu einem Faktor werden, der in die Nutzen-Risiko-Betrachtung einbezogen werden müsste, findet auch der Editorialist Fletcher. © rme/aerzteblatt.de

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