NewsMedizinMeta-Analyse: Aspirin und NSAID senken Brustkrebsrisiko geringfügig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse: Aspirin und NSAID senken Brustkrebsrisiko geringfügig

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Vancouver – Frauen, die regelmäßig Acetylsalicylsäure (ASS) oder nicht steroidale Antiphlogistika (NSAID) einnehmen, erkranken einer Meta-Analyse im Journal of National Cancer Institute (JNCI 2008; 100: 1439-1447) zufolge seltener an Brustkrebs. Die protektive Wirkung ist allerdings gering und müsste gegen die Risiken dieser Medikamente abgewogen werden.

Bei Nagern kann durch die Gabe von NSAID experimentell die Bildung von Mammakarzinomen verhindert werden, was die Grundlagenforscher auf eine Hemmung der selektiven Cyclooxigenase 2, besser bekannt als COX-2 zurückführen. Auch erkranken transgene Tiere mit einer vermehrten COX-2-Expression häufiger an Mammakarzinom.

Ähnliche Effekte lassen sich auch beim Kolorektalkarzinom nachweisen. Beim Mammakarzinom kommt eine Beziehung zur Überexpression von HER-2 hinzu, wie der Editorialist Scott Lippman vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston berichtet (JNCI 2008; 100: 1420-1423).

Diesen viel versprechenden Ergebnissen im Tiermodell stehen, wie nicht selten in der Medizin, widersprüchliche Ergebnisse in epidemiologischen Studien gegenüber. Das kann am Design von Fallkontroll- und Kohortenstudien liegen, vielleicht aber auch daran, dass COX-1 die protektive Wirkung wieder aufhebt. 

Die Ergebnisse der Meta-Analyse der Gruppe um Mahyar Etminan vom Vancouver Coastal Health Research Institute dürften Lippman, der von der protektiven Wirkung von ASS und NSAID überzeugt ist, jedenfalls nicht zufriedenstellen. Auf der Basis von 38 Studien (19 Fall­kontroll­studien, 18 Kohortenstudien und einer klinischen Studie) mit  2.788.715 Teilnehmern kommen die Epidemiologen auf eine Risikominderung von gerade einmal 13 Prozent für ASS und von zwölf Prozent für NSAID, wobei Ibuprofen mit einer Risikominderung von 21 Prozent heraussticht. 

Das dürfte nicht ausreichen, um Ibuprofen (oder andere NSAID oder ASS) zur Primärprävention des Mammakarzinom zu empfehlen. Die U.S. Preventive Services Task Force hatte im letzten Jahr auch einer ASS-Primärprävention des Kolorektalkarzinom eine Absage erteilt, obwohl die Risikominderung bei diesem Tumor wesentlich größer ist.

Doch die Einahme von NSAID, vor allem aber ASS, geht mit einem nicht unerheblichen Risiko von gastrointestinalen Blutungen einher, die es gegen eine – nicht durch randomisierte kontrollierte Studien – gestützte präventive Wirkung abzuwägen gilt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2020
Baltimore – Patienten, die wegen kardiometabolischer Erkrankungen bereits vor ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 mit Acetylsalicylsäure in einer niedrigen Dosis („Low dose“-ASS) behandelt wurden, hatten
COVID-19: Patienten haben mit „Low dose“-ASS geringes Komplikations- und Sterberisiko
12. August 2020
Boston – Vor zwei Jahren kam eine größere Studie zur Primärprävention mit Acetylsalicylsäure (ASS) zu dem überraschenden Ergebnis, dass Senioren, die nach dem 70. Lebensjahr mit der Einnahme begannen,
Studie: ASS könnte bei älteren Menschen Krebswachstum im fortgeschrittenen Stadium beschleunigen
8. April 2020
Melbourne − Ältere Menschen können sich durch die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) nicht vor einem kognitiven Abbau und Demenzerkrankungen schützen. Dies ist das Ergebnis einer
Primärprävention: ASS schützt Senioren nicht vor kognitiven Einbußen und Demenz
12. März 2020
Stockholm – Schwedische Erwachsene mit Hepatitis B oder C, die aus anderen Gründen über längere Zeit niedrig dosiert mit Acetylsalicylsäure (ASS) behandelt wurden, erkrankten in einer
Studie: ASS könnte Hepatitis-Infizierte vor Leberkrebs schützen
15. August 2019
Chapel Hill – Epigenetische Veränderungen könnten erklären, weshalb die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) bei einigen Brustkrebspatientinnen mit einem längeren Überleben verbunden ist, bei anderen
Epigenetik könnte Wirksamkeit von ASS bei Brustkrebs beeinflussen
23. Januar 2019
London – Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) kann gesunde Menschen zwar vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Die mit der Einnahme verbundenen Blutungsrisiken heben die Vorteile
ASS: Nutzen und Risiken in der Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vergleichbar
5. Oktober 2018
Boston – Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS), der bereits eine präventive Wirkung gegen Darmkrebs zugeschrieben wird, könnte die Erkrankungsrate für Ovarialkarzinom und hepatozelluläres Karzinom
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER